Wissenschaftliche Stadtgeschichte Erfurt

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Wissenschaftliche Stadtgeschichte für Erfurt

Die Erfurter Kulturverwaltung plant die Erarbeitung einer neuen umfassenden wissenschaftlichen Stadtgeschichte.


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Die Erfurter Kulturverwaltung plant eine neue wissenschaftliche Stadtgeschichte. Hierfür sollen zeitnah ein Konzept und Finanzierungsplan erarbeitet sowie ein fachliches Beratungsgremium gegründet werden. Die große facettenreiche Stadtgeschichte der Mittelaltermetrople und heutigen Landeshauptstadt soll in einer mehrbändigen Gesamtdarstellung aufgearbeitet und einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Letztmals geschah dies 1986 mit der 640-seitigen "Geschichte der Stadt Erfurt", die stark vom offiziösen DDR-Geschichtsbild geprägt ist und nicht mehr den aktuellen Forschungsstand repräsentiert. Insbesondere kommt dort das profilprägende Mittelalter zu kurz.

Andererseits wurden seit 1990 viele Lücken geschlossen, was die Fachzeitschrift des Geschichtsvereins und zahlreiche Publikationen dokumentieren. International beachtete Forschungsleistungen liegen etwa zum jüdisch-mittelalterlichen Erbe vor. Eine aktuelle Überblicksdarstellung bietet erste Anknüpfungspunkte. Mit weiteren wissenschaftlichen Anstrengungen wäre so eine Gesamtdarstellung in drei bis vier Jahren realisierbar.

Die Fachwelt unterstützt das Projekt. Prof. Werner Greiling unterstreicht als Vorsitzender der Historischen Kommission für Thüringen das Potenzial: "Umso wichtiger wäre es, wenn auch für das 'Haupt des Thüringer Landes' ein vergleichbares Projekt ins Leben gerufen und eine moderne, an aktuellen Fragestellungen ausgerichtete Stadtgeschichte erarbeitet werden könnte. Daher unterstützt die Kommission das Projekt einer Stadtgeschichte Erfurts, wie es von Dr. Steffen Raßloff konzipiert und vorgeschlagen wird, auf das Nachdrücklichste. Eine solche Darstellung würde weit über die Grenzen des Freistaates wahrgenommen werden, wie es die jüngst erschienene vierbändige Leipziger Stadtgeschichte eindrucksvoll belegt."

Das Projekt wäre umso wünschenswerter als Erfurt nicht nur im Vergleich mit den alten Bundesländern, sondern auch in Mitteldeutschland hinter Großstädte wie Leipzig, Dresden und Halle mit opulenten mehrbändigen Stadtgeschichten deutlich zurückfällt. Gotha bereitet durch einen Stadthistoriker eine zweibändige wissenschaftliche Stadtgeschichte für 2025 vor, die auf breite Außenwirkung zielt. Hier sollte die Landeshauptstadt nicht weiter zurückstehen. Ein solches Projekt wäre auch für das Selbstbewusstsein der Bürgerschaft, als Quelle wichtiger Informationen, weitergehender Forschungen, der Traditionspflege und als überregionaler Imagefaktor von Bedeutung. Das große Interesse an historischen Themen spiegelt sich im Zuspruch von entsprechenden Publikationen, Veranstaltungen, Ausstellungen usw.

(Dr. Steffen Raßloff)