Erste Preussenzeit 1806-1814

Erste Preußenzeit und Napoleon 1802/06-1814

Beitrag der TA-Serie Erfurt und die Preußen von Dr. Steffen Raßloff (20.06.2015)


„Am Anfang war Napoleon“

ERFURT UND DIE PREUßEN (2): Erfurts „Preußenzeit“ begann in einer Epoche großer Umbrüche und Turbulenzen


Napoleonalexander.jpg

„Am Anfang war Napoleon.“ So beginnt der Historiker Thomas Nipperdey seine vielgelesene „Deutsche Geschichte“ von 1800 bis 1945. Er will damit deutlich machen, dass die Grundlagen des modernen Deutschlands zu Beginn des 19. Jahrhunderts in spannungsvoller Auseinandersetzung mit dem revolutionären Frankreich gelegt wurden. An dessen Spitze war der Revolutionsgeneral Napoleon Bonaparte getreten, der sich 1804 zum Kaiser krönte und schließlich große Teile Europas beherrschte. In den deutschen Ländern begann sich unter dem Druck der französischen Fremdherrschaft und in den Befreiungskriegen gegen Napoleon das Nationalgefühl mächtig zu regen, das schließlich mit Gründung des Kaiserreiches 1871 unter Preußens Führung seine Erfüllung fand.

In gewissem Sinne steht Napoleon auch am Beginn der Erfurter „Preußenzeit“. Die territorialen Veränderungen als Folge der Kriege gegen Frankreich führten noch vor der offiziellen Auflösung des Reiches 1806 zur Beseitigung der kleineren und mittleren Reichsstände in Deutschland, darunter die geistlichen Territorien. Das betraf auch den Mainzer Erzbischof und Kurfürsten, zu dem Erfurt seit gut 800 Jahren gehörte. Die Dalberg-Zeit, die Amtszeit des kunstsinnigen Statthalters Karl Theodor von Dalberg (1772-1802), bildete damit den glanzvollen Abgesang einer langen Epoche der Stadtgeschichte. Als Ausgleich für Verluste links des Rheins bedienten sich die größeren Staaten aus jener Konkursmasse. Das Königreich Preußen sicherte sich dabei in einem Abkommen mit Frankreich unter anderem die kurmainzischen Gebiete in Thüringen mit dem Eichsfeld und Erfurt. Am 21. August 1802 marschierten die ersten preußischen Truppen in Erfurt ein; am 30. Mai 1803 durften die Erfurter ihrem neuen Landesherrn Friedrich Wilhelm III. und seiner Gemahlin Luise zujubeln. Letzteres ist auf einem der Wandbilder im Rathausfestsaal festgehalten.

Die neue Staatsmacht machte sich freilich nicht nur Freunde. Besonders das Militär unter dem Kommandanten Graf von Wartensleben sorgte für manche Spannung. Und schon im Oktober 1806 endete die erste kurze Phase der „Preußenzeit“ mit der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt gegen Napoleon. Letzterer erhob Erfurt zur „Kaiserlichen Domäne“ und machte es 1808 zum Austragungsort seines glanzvollen Erfurter Fürstenkongresses mit Zar Alexander und zahlreichen deutschen Monarchen. Die französische Fremdherrschaft wirkte sich allerdings immer drückender auf die Bevölkerung aus, so dass schließlich die Befreiung der Stadt durch die Preußen nach monatelanger Belagerung 1813/14 bejubelt wurde. Im Juni 1815 schrieb die Wiener Kongressakte Erfurt und große Teile Thüringens endgültig Preußen zu, dem sie bis 1945 angehören sollten. (Abbildung: Napoleon und Zar Alexander I. 1808 beim Erfurter Fürstenkongress, Stadtmuseum Erfurt)


Siehe auch: Erfurt und Preußen, Erfurter Fürstenkongress 1808, Geschichte der Stadt Erfurt