Thueringer Kulturtuete: Unterschied zwischen den Versionen

(Kritik an Erfurter Kulturpolitik)
 
(71 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
= Kritik an Erfurter Kulturpolitik =
+
= Kulturlandschaft vor Transformation? =
  
'''Die Stadt Erfurt bekam 2016 den Satirepreis "Thüringer Kulturtüte" für ihre defizitäre Kulturpolitik verliehen, an der sich seither wenig geändert hat. Kulturdirektor Knoblich stieg dennoch 2018 zum Kulturdezernenten auf.'''
+
'''Erfurt bekam 2016 die "Thüringer Kulturtüte" für ihre defizitäre Kulturpolitik verliehen, an der sich wenig geändert hat. Kulturdirektor Knoblich stieg dennoch 2018 zum Kulturdezernenten auf und kündigte "Transformation" der Kulturlandschaft an.'''
  
  
[[Datei:Kulturtuete2016.jpg|390px|right]]Am 23. November 2016 bekam die Stadt Erfurt die "Thüringer Kulturtüte für herausragende Defizite und Fehlentscheidungen im kulturpolitischen Sektor" durch das Satire-Magazin "UN NU?" und den Verein "Rock‘n‘ Stroll" überreicht (Im Bild: Oberbürgermeister Andreas Bausewein und Chefredakteurin Anne Martin im Rathaus, Foto: Hannah Franke).  
+
[[Datei:Kulturtuete2016.jpg|370px|right]]Am 23. November 2016 bekam Oberbürgermeister Andreas Bausewein von Anne Martin, Chefredakteurin des Satire-Magazins "UN NU?", die "Thüringer Kulturtüte für herausragende Defizite und Fehlentscheidungen im kulturpolitischen Sektor" überreicht (Foto: Hannah Franke). Der Kulturausschuss-Vorsitzende des Stadtrates Dr. Wolfgang Beese (SPD) begründete: "Mit desaströs sind die Perspektiven hinreichend beschrieben. Kaum Kulturförderung, kaum Sonderausstellungen in den '''[[Schwarzes_Loch_zwischen_Kosmos_und_Universum%3F|Museen]]''', dafür Schließungen und die Querelen um die '''[[Engelsburg Erfurt|Engelsburg]]'''." Marion Walsmann (CDU) ergänzte: "Hier geht es auch um die Einstellung zum Ehrenamt, zur Kreativszene und '''[[Erfurt historische Erinnerungskultur Kulturpolitik|historischen Erinnerungskultur]]''', wie beim Jubiläum '''[[Erinnerungskultur_und_Zukunft_Petersberg|350 Jahre Zitadelle Petersberg 2015]]'''."
  
Laudator und Kulturausschuss-Vorsitzender des Stadtrates Dr. Wolfgang Beese (SPD) begründete: "Mit desaströs sind die Perspektiven der Kultur hinreichend beschrieben. Kaum Kulturförderung, kaum Sonderausstellungen in den '''[[Schwarzes_Loch_zwischen_Kosmos_und_Universum%3F|Museen]]''', dafür Schließungsankündigungen und die Querelen um die '''[[Engelsburg Erfurt|Engelsburg]]'''." Stadträtin Marion Walsmann (CDU) ergänzte: "Hier geht es auch um die mangelnde Einstellung zum bürgerschaftlichen Ehrenamt, zur Kreativszene und  '''[[Erfurt historische Erinnerungskultur Kulturpolitik|historischen Erinnerungskultur]]''', wie beim Jubiläum '''[[Erinnerungskultur_und_Zukunft_Petersberg|350 Jahre Zitadelle Petersberg 2015]]'''."
+
Seither hat sich kaum etwas geändert, wie das '''[[500._Reformationsjubilaeum_Luther_2017|500. Reformationsjubiläum 2017]]''' mit dem gescheiterten '''[[Augustinerkloster_Erfurt_UNESCO_Weltkulturerbe|UNESCO-Welterbe-Antrag]]''' für das Augustinerkloster zeigt. Zu den verlorenen Einrichtungen zählen das '''[[Neue Mühle Erfurt|Museum Neue Mühle]]''' und Forum Konkrete Kunst, das zentrale Projekt '''[[Kulturhof Kroenbacken Geschichtsportal Erfurt|Geschichtsportal Krönbacken]]''' ist gescheitert, die übrigen Museen werden "auf Verschleiß" gefahren. Von visionären, nachhaltigen Projekten war demgegenüber in der Ära von Kulturdirektor Dr. Tobias Knoblich seit 2011 nichts zu sehen. 2018 erklärte dieser seinen Wechsel als Kulturreferent nach Bayreuth. 
  
Seither hat sich kaum etwas geändert, wie das '''[[500._Reformationsjubilaeum_Luther_2017|500. Reformationsjubiläum 2017]]''' mit dem gescheiterten '''[[Augustinerkloster_Erfurt_UNESCO_Weltkulturerbe|UNESCO-Welterbe-Antrag]]''' für das Augustinerkloster zeigt. Zentrale Projekte wie das '''[[Kulturhof Kroenbacken Geschichtsportal Erfurt|Geschichtsportal Krönbacken]]''' kommen nicht voran, 2018 gilt wegen der Aufgabe des Forums Konkrete Kunst als "schwarzes Jahr für die Erfurter Kultur" (Dr. Wolfgang Beese). Von visionären, weit ausstrahlenden Projekten war demgegenüber in der Ära Knoblich seit 2011 nichts zu sehen. Im Sommer 2018 erklärte der Kulturdirektor seinen Wechsel als Kulturreferent nach Bayreuth, wobei er sich sehr abfällig über die Erfurter '''[[Wechsel_Kulturdirektor_Knoblich_Erfurt_Bayreuth|Kulturlandschaft und Kommunalpolitik]]''' äußerte. 
+
Umso überraschender kam Knoblichs Bewerbung als Kulturdezernent in Erfurt: Während er Bayreuth sein Kommen zusicherte, ließ er sich zeitgleich in Erfurt nominieren. Dies sorgte für viel Kritik. Dennoch wurde Knoblich am 28. November 2018 dank politischer Absprachen und schwacher Bewerberlage gewählt. Mit Sorge wird nun verfolgt, wie sich der "vom kulturfernen Oberbürgermeister Andreas Bausewein" durchgesetzte Kulturdezernent als "Transformator" der Kulturlandschaft zu profilieren versucht (TA vom 03.01.2019). Die parteiübergreifend heftig kritisierte "Hinterzimmer-Politik" von Bausewein und Knoblich führte im Januar 2019 zum Abbruch des Berufungsverfahren für den neuen Kulturdirektor, weil mutmaßlich der Erfolg ihres Favoriten nicht gewährleistet war (TA vom 15.01.2019). Im Februar wurde die Stelle dann mit entsprechend verändertem Anforderungsprofil neu ausgeschrieben, ist aber bis heute unbesetzt.
 
 
Umso überraschender kam Knoblichs Bewerbung als Wirtschafts- und Kulturdezernent in Erfurt: Während er der Bayreuther Oberbürgermeisterin noch am 29. Oktober 2018 versicherte, sein Amt zu Jahresbeginn anzutreten, ließ er sich zeitgleich vom Erfurter Oberbürgermeister nominieren. In Bayreuth sorgte jener "Posten-Poker" für große Empörung. Auch im Erfurter Stadtrat regte sich parteiübergreifend Widerspruch. SPD-Fraktionsvorsitzender Beese erklärte Knoblich wegen mangelnder "Loyalität und Verlässlichkeit für nicht wählbar". Dennoch wurde er am 28. November 2018 mit der Stimmenmehrheit von SPD und CDU im zweiten Wahlgang zum Dezernenten gewählt. Hierzu beigetragen hat auch die schwache Bewerberlage ohne hochkarätige auswärtige Kandidaten, was die gesunkene Attraktivität der Kulturstadt Erfurt spiegelt.
 
  
 
('''[[Steffen Raßloff|Dr. Steffen Raßloff]]''')
 
('''[[Steffen Raßloff|Dr. Steffen Raßloff]]''')
  
  
'''''Thüringer Allgemeine vom 10.11.2018''' (zum Lesen anklicken)''
+
'''''Thüringer Allgemeine vom 15.01.19/10.11.18''' (zum Lesen anklicken)''
  
[[Datei:Knoblich.Goldberg.18.jpg|800px|left]]
+
[[Datei:TA-15-1-19(Kulturdirektor).jpg|460px|left]]
 +
[[Datei:Knoblich.Goldberg.18.jpg|750px|left]]

Aktuelle Version vom 2. August 2019, 08:50 Uhr

Kulturlandschaft vor Transformation?

Erfurt bekam 2016 die "Thüringer Kulturtüte" für ihre defizitäre Kulturpolitik verliehen, an der sich wenig geändert hat. Kulturdirektor Knoblich stieg dennoch 2018 zum Kulturdezernenten auf und kündigte "Transformation" der Kulturlandschaft an.


Kulturtuete2016.jpg

Am 23. November 2016 bekam Oberbürgermeister Andreas Bausewein von Anne Martin, Chefredakteurin des Satire-Magazins "UN NU?", die "Thüringer Kulturtüte für herausragende Defizite und Fehlentscheidungen im kulturpolitischen Sektor" überreicht (Foto: Hannah Franke). Der Kulturausschuss-Vorsitzende des Stadtrates Dr. Wolfgang Beese (SPD) begründete: "Mit desaströs sind die Perspektiven hinreichend beschrieben. Kaum Kulturförderung, kaum Sonderausstellungen in den Museen, dafür Schließungen und die Querelen um die Engelsburg." Marion Walsmann (CDU) ergänzte: "Hier geht es auch um die Einstellung zum Ehrenamt, zur Kreativszene und historischen Erinnerungskultur, wie beim Jubiläum 350 Jahre Zitadelle Petersberg 2015."

Seither hat sich kaum etwas geändert, wie das 500. Reformationsjubiläum 2017 mit dem gescheiterten UNESCO-Welterbe-Antrag für das Augustinerkloster zeigt. Zu den verlorenen Einrichtungen zählen das Museum Neue Mühle und Forum Konkrete Kunst, das zentrale Projekt Geschichtsportal Krönbacken ist gescheitert, die übrigen Museen werden "auf Verschleiß" gefahren. Von visionären, nachhaltigen Projekten war demgegenüber in der Ära von Kulturdirektor Dr. Tobias Knoblich seit 2011 nichts zu sehen. 2018 erklärte dieser seinen Wechsel als Kulturreferent nach Bayreuth.

Umso überraschender kam Knoblichs Bewerbung als Kulturdezernent in Erfurt: Während er Bayreuth sein Kommen zusicherte, ließ er sich zeitgleich in Erfurt nominieren. Dies sorgte für viel Kritik. Dennoch wurde Knoblich am 28. November 2018 dank politischer Absprachen und schwacher Bewerberlage gewählt. Mit Sorge wird nun verfolgt, wie sich der "vom kulturfernen Oberbürgermeister Andreas Bausewein" durchgesetzte Kulturdezernent als "Transformator" der Kulturlandschaft zu profilieren versucht (TA vom 03.01.2019). Die parteiübergreifend heftig kritisierte "Hinterzimmer-Politik" von Bausewein und Knoblich führte im Januar 2019 zum Abbruch des Berufungsverfahren für den neuen Kulturdirektor, weil mutmaßlich der Erfolg ihres Favoriten nicht gewährleistet war (TA vom 15.01.2019). Im Februar wurde die Stelle dann mit entsprechend verändertem Anforderungsprofil neu ausgeschrieben, ist aber bis heute unbesetzt.

(Dr. Steffen Raßloff)


Thüringer Allgemeine vom 15.01.19/10.11.18 (zum Lesen anklicken)

TA-15-1-19(Kulturdirektor).jpg
Knoblich.Goldberg.18.jpg