Welterbe Wartburg

Welterbe Wartburg

Die glanzvolle Landgrafschaft Thüringen der Ludowinger gehört zu den wichtigsten identitätsstiftenden Epochen der Landesgeschichte. Ihr zentraler historischer Erinnerungsort ist die UNESCO-Welterbestätte Wartburg bei Eisenach.


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Die Wartburg thront auf den Ausläufern des westlichen Thüringer Waldes hoch über der Stadt Eisenach. Sie war einst glanzvoller Herrschaftsmittelpunkt der Landgrafen von Thüringen. Als Vertraute der staufischen Kaiser bestimmte das mächtige Adelsgeschlecht der Ludowinger die Reichspolitik wesentlich mit. Die Landgrafenzeit diente über die anschließenden Jahrhunderte der Kleinstaaterei hinweg als zentraler historischer Bezugspunkt der Thüringer. So führt heute auch der Freistaat Thüringen den Löwen der Landgrafen im Wappen.

Die nach dem Vornamen ihrer erstgeborenen männlichen Vertreter bezeichneten Ludowinger stammten aus dem Fränkischen und hatten sich unter Ludwig dem Bärtigen um 1040 im Raum Friedrichroda angesiedelt. Seinem Sohn Ludwig dem Springer, legendärer Gründer der Wartburg, der Neuenburg und des Klosters Reinhardsbrunn, gelang der Ausbau der verstreuten Herrschaftskomplexe in Thüringen. Durch Erbschaft erreichte wiederum sein Sohn Ludwig die Ausdehnung des Besitzes nach Hessen.

1131 wurde dieser als Ludwig I. mit der vom Kaiser neu geschaffenen Würde der Landgrafen von Thüringen belehnt. Bald zählten die Ludowinger zu den mächtigsten Reichsfürsten. Ludwig II. festigte die Bindung an das staufische Kaiserhaus durch die Heirat einer Halbschwester Friedrich Barbarossas. Unter Ludwig III. erreichte die Landgrafschaft im Zuge der Entmachtung des Welfenherzogs Heinrich der Löwe erheblichen Bedeutungszuwachs. Den glanzvollen Höhepunkt bildete die Regentschaft Hermanns I. Mit seinem Namen ist der sagenhafte „Sängerkrieg auf der Wartburg“ von 1206/07 verbunden, Symbol für die am Landgrafenhof gepflegte ritterlich-höfische Adelskultur. Ludwig IV., der Heilige ist als Gemahl der Heiligen Elisabeth in Erinnerung geblieben.

Die Erhebung von Ludwigs Nachfolger Heinrich Raspe zum deutschen König 1246 bedeutete allerdings keinen krönenden Gipfelpunkt. Nicht nur, dass sich Heinrichs Königtum gegen den Staufer Friedrich II. in keiner Weise durchsetzen konnte, schon 1247 erloschen die Ludowinger im Mannesstamm. Ein blutiger Erbfolgekrieg endete mit der Teilung der Landgrafschaft in eine hessische und thüringische Hälfte. Letztere fiel an die wettinischen Markgrafen von Meißen, Herrscher der späteren sächsischen Kleinstaaten-Herzogtümer.

Die Wartburg mit ihrem imposanten romanischen Palas erinnert freilich nicht nur an die sagenhaften Landgrafen. In den Fokus der Weltgeschichte geriet sie durch Martin Luthers Scheinentführung und Bibelübersetzung 1521/22. Spätestens mit dem Wartburgfest der Burschenschaften 1817 erlangte die Burg den Status eines nationalen Symbolortes. Im 19. Jahrhundert wurde sie auf Initiative von Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach aufwändig rekonstruiert und künstlerisch ausgestaltet. Die „deutscheste aller deutschen Burgen“ rückte zum vielbesuchten Nationaldenkmal auf. Über alle politischen Zäsuren hinweg hat sich die Burg, seit 1922 betreut von der Wartburg-Stiftung, ihre Anziehungskraft bewahrt und gehört seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe. (Foto: Lencer)

Steffen Raßloff: Welterbe Wartburg. Die Landgrafen von Thüringen. In: Thüringen. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2018. S. 24 f.


Lesetipps:

Günter Schuchardt: Welterbe Wartburg. Regensburg 2001 (9. Auflage 2017).

Steffen Raßloff/Lutz Gebhardt: Die Thüringer Landgrafen. Geschichte und Sagenwelt. Ilmenau 2017.

Steffen Raßloff: Geschichte Thüringens. München 2010.


Siehe auch: Geschichte Thüringens, Luther in Thüringen, Heilige Elisabeth, Weltkulturerbe Wartburg