Weimarer Klassik

Weimarer Klassik

Weimars Weg zum Weltkulturerbe begann mit dem „Goldenen Zeitalter“ der Klassik. Deren Kern war das Zusammenwirken von Goethe und Schiller im „Ilm-Athen“, denen seit 1857 eines der berühmtesten Denkmale weltweit gewidmet ist.


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Einträchtig blicken die großen deutschen Nationaldichter Goethe und Schiller vom Sockel ihres 1857 eingeweihten Denkmals tagtäglich auf die zahllosen Touristen (Foto: Alexander Raßloff). Die beiden „Dioskuren“ gelten als eines der bekanntesten Denkmale weltweit. Vor dem Hintergrund des Deutschen Nationaltheaters steht es für jene Mischung aus Geist der Weimarer Klassik und „Wiege der Moderne“, die die große Anziehungskraft der Kulturhauptstadt Europas von 1999 ausmacht – wurden doch hier auch 1919 das Bauhaus gegründet und die Verfassung der Weimarer Republik verabschiedet.

An stärksten freilich wird das Bild Thüringens vom „Goldenen Zeitalter“ im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach geprägt – dem kulturhistorischen Highlight schlechthin. Unter der Herrschaft von Herzogin Anna Amalia und ihres Sohnes Carl August zog es zahlreiche Geistesgrößen wie Johann Wolfgang Goethe, Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller ins „Ilm-Athen“. Für das kleine Herzogtum mit seiner Residenzstadt von 6000 Einwohnern war dies keineswegs selbstverständlich. Weimar stieg zu einem Zentrum deutscher und europäischer Kultur auf.

Herzogin Anna Amalia profilierte sich als resolute, kunstsinnige Landesherrin. Mit Christoph Martin Wieland holte sie den ersten der großen Literaten 1772 als Prinzenerzieher von der Universität Erfurt nach Weimar. Über die Zeit der Regentschaft hinaus entfaltete Anna Amalia mit ihrem „Musenhof“ ein breites kulturell-geselliges Leben. Ein bleibendes Werk ist der Ausbau des „Grünen Schlosses“ zur heute nach ihr benannten Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek. Der verheerende Brand 2004 hat den Sinn für deren Bedeutung auf schmerzliche Weise geschärft.

Die folgenden Jahrzehnte bezeichnet man auch als „Goethezeit“, die von der Ankunft Goethes in Weimar 1775 bis zu dessen Tod 1832 datiert. Der junge Fürst Carl August zog den Autor der Sturm- und-Drang-Bestseller „Götz von Berlichingen“ und „Die Leiden des jungen Werthers“ aus Frankfurt an seine Residenz. Die persönliche Freundschaft sollte Goethe dauerhaft an Weimar binden. Zwei der meist besuchten Erinnerungsorte in Weimar, das Gartenhaus im Ilmpark und das Wohnhaus am Frauenplan mit dem Goethe-Nationalmuseum, waren Geschenke des Herzogs. Dieser bezog Goethe auch in die Landespolitik mit ein. Sein Freund Herder wurde 1776 als Hofprediger nach Weimar geholt. Schiller, seit 1789 Professor für Geschichte in Jena, zog 1799 nach Weimar. Das intensive Zusammenwirken von Goethe und Schiller bildet den Kern der Weimarer Klassik.

Heute spricht man mit Blick auf die benachbarte Universitätsstadt Jena vom Ereignis Weimar-Jena, bei dem es um 1800 zu einer einmaligen Verdichtung kultureller Leistungen der sprichwörtlichen Dichter und Denker kam. Dies gilt als ein Höhepunkt der Aufklärung, der der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wesentliche Impulse verliehen hat. Seine Protagonisten, allen voran Goethe und Schiller, wurden zu Leitfiguren der sich entfaltenden Kulturnation. Dieses große Erbe wird heute vor allem von der Klassik Stiftung Weimar gepflegt, der zweitgrößten deutschen Kulturstiftung.

Steffen Raßloff: Dioskuren des „Goldenen Zeitalters“. Die Goethezeit in Weimar. In: Thüringen. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2018. S. 52 f.


Siehe auch: Geschichte Thüringens, Geschichte der Stadt Weimar, Klassik Stiftung Weimar, Goethe und Erfurt, Schiller und Erfurt, Wieland und Erfurt