Wappen Freistaat Thüringen

Wappen des Freistaates Thüringen

Das Wappen des Freistaates Thüringens symbolisiert dessen historische „Einheit in der Vielfalt“. Es zeigt den Landgrafenlöwen, umgeben von sieben Sternen für die ehemaligen Kleinstaaten und preußischen Gebiete. Seine Vorlage ist im Erfurter Stadtmuseum zu sehen.


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Lothar Freund gilt als einer der renommiertesten Gebrauchsgraphiker Thüringens. Der 2017 verstorbene Künstler hat sein Lebenswerk dem Stadtmuseum Erfurt „Haus zum Stockfisch“ zur Aufbewahrung und wissenschaftlichen Bearbeitung geschenkt. Es umfasst 411 Plakate, Logos und sonstige graphische Arbeiten. In Erfurt waren und sind seine Arbeiten für Museen, Theater, Bibliotheken, den Kaisersaal, aber auch für große Jubiläen wie 1250 Jahre Ersterwähnung 1992 oder die Internationale Gartenbauausstellung iga 1961 allgegenwärtig.

Eines der historisch wichtigsten Exemplare der Werksammlung dürfte die von Freund als A-1-Plakat erarbeitete Vorlage für das Thüringer Landeswappen sein (Foto: Stadtmuseum Erfurt). Der Landtag hat dieses neue Wappen am 10. Januar 1991 mit dem Gesetz über die Hoheitszeichen Thüringens beschlossen. Es zeigt heraldisch korrekt formuliert in Blau einen goldgekrönten und bewehrten, achtfach von Rot und Silber quergestreiften Löwen, umgeben von acht silbernen Sternen. Mit diesem Wappen beruft sich der Freistaat Thüringen auf seine lange, traditionsreiche Geschichte. Das Landessymbol macht damit auch deutlich, wie unsinnig die Rede vom „neuen“ oder „jungen“ Bundesland Thüringen ist – kann doch kaum ein anderes Glied der Bundesrepublik auf 1500 Jahre Geschichte zurückblicken.

Schon mit dem mächtigen Königreich des 6. Jahrhunderts verewigte sich der Name der Thoringi nachhaltig in den Geschichtsbüchern. Im 12. und 13. Jahrhundert folgten die sagenumwobenen ludowingischen Landgrafen von Thüringen auf der Wartburg. Am gewachsenen Selbstverständnis der Thüringer änderte auch die spätere sprichwörtliche Kleinstaaterei nichts. Der Vielfalt von bis zu 30 Staatsgebilden stand immer das Bewusstsein einer übergeordneten Einheit gegenüber, die sich insbesondere auf die Landgrafschaft Thüringen berufen konnte.

Im 20. Jahrhundert erfolgte dann schrittweise die staatliche Einigung Thüringens. 1920 kam es zum Zusammenschluss der Kleinstaaten mit der Hauptstadt Weimar – noch ohne das preußische Thüringen mit Erfurt. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte 1945 das Land Thüringen in weitgehend der heutigen Form, das jedoch in der DDR schon 1952 wieder aufgelöst wurde. Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 trat Thüringen als föderaler Teil der Bundesrepublik Deutschland ins Leben, Landeshauptstadt wurde Erfurt.

Das Landeswappen von 1991 greift diese historische Einheit in der Vielfalt symbolisch auf. Es umgibt den seit dem späten 12. Jahrhundert belegten ludowingischen Thüringer Löwen auf blauem Grund mit acht silbernen Sternen, die für die ehemaligen Kleinstaaten und preußischen Gebiete stehen. Seine Urfassung von Lothar Freund kann nun im Erfurter Stadtmuseum bestaunt werden, dem Geschichtsmuseum der Landeshauptstadt. Dort wird die Geschichte der glanzvollen Mittelaltermetropole, der Universitäts- und Lutherstadt bis hin zur modernen Industriegroßstadt anschaulich erzählt.


Steffen Raßloff: Einheit in der Vielfalt. Das Landeswappen von Thüringen. In: Thüringen. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2018. S. 114 f.


Siehe auch: Geschichte Thüringens, Stadtmuseum Erfurt