Reliquiar Dom Erfurt

Reliquiar aus dem Dom

Aus der Serie Fundstücke aus dem Stadtmuseum mit Gudrun Noll und Dr. Steffen Raßloff (20.09.2012)


Form der Heiligenverehrung


Zu einem Reliquienschrein befragten wir Kustodin Gudrun Noll vom Stadtmuseum:


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Was sind Reliquien? Und seit wann werden sie verehrt?

Die Reliquienverehrung ist eine der ältesten Formen der Heiligenverehrung und entwickelte sich bereits im frühen Christentum. Seit dem 4. Jh. war es üblich, die Reliquien eines Heiligen - dabei handelte es sich v. a. um einen Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen - in einem Behälter auf dem Altar den Gläubigen zur Schau zu stellen. Bei den Reliquien fühlten sich die Gläubigen der Person des Heiligen besonders nahe und hofften für die vor den Schreinen vorgetragenen Bitten um Heilung von Krankheit oder das Ende von Hunger und Krieg auf beste Erfolgsaussichten.


Reliquiare sind die Behältnisse zum Aufbewahren?

Die Form des Reliquiars wurde durch Art und Umfang der Reliquien bestimmt. Bis zum Ende des Mittelalters wurden Reliquiare in großer Zahl angefertigt. Im Stadtmuseum befinden sich zwei gleichartige Reliquienkästen aus dem Erfurter Dom St. Marien. Im oberen Dreiecksfeld ist ein Christuskopf abgebildet.


Welche Rolle spielte die Reformation?

Am Vorabend der Reformation war es zu immer stärkeren Auswüchsen in der Reliquienverehrung gekommen. Die Reformatoren kritisierten zunächst diese Auswüchse. Am 26. Januar 1546 hielt Martin Luther in der Frauenkirche zu Halle eine Predigt gegen den "Reliquienkram". Auf dem Konzil von Trient wurde im Jahr 1563 die Kritik der Reformatoren zurückgewiesen. In der Folge blühte die Reliquienverehrung in der katholischen Kirche wieder auf.


Siehe auch: Stadtmuseum Erfurt, Geschichte der Stadt Erfurt, Martin Luther