Provinz Sachsen

Provinz Sachsen

Mit dem Wiener Kongress 1815 trat die preußische Provinz Sachsen mit der Hauptstadt Magdeburg ins Leben. Dieses heterogene Gebilde entwickelte gewisse Bindekräfte und bildete die Basis des heutigen Landes Sachsen-Anhalt.


ProvinzSachsen.png

Die Epoche um Französische Revolution und Napoleonische Zeit brachte durchgreifende territoriale Veränderungen. Das Königreich Preußen stieg mit dem Wiener Kongress 1815 auf Kosten des Königreiches Sachsen endgültig zur beherrschenden Vormacht auch in Mitteldeutschland auf. Sachsen hatte Napoleon bis zur Völkerschlacht bei Leipzig 1813 die Treue gehalten, was ihm nun mehr als die Hälfte seines Gebietsstandes kostete. Jene „neupreußischen“ Gebiete um Sangerhausen, Merseburg, Naumburg und Zeitz sowie in Thüringen von Nordhausen über Erfurt bis Suhl wurden zusammen mit den „altpreußischen“ Besitzungen von Halle bis zur Altmark in der 1815 gebildeten Provinz Sachsen mit der Hauptstadt Magdeburg zusammengefasst.

Deren Verwaltung wurde untergliedert in die Regierungsbezirke Magdeburg, Merseburg und Erfurt. Die beiden ersteren umfassten im Wesentlichen den Norden und Süden des heutigen Sachsen-Anhalts, voneinander getrennt durch die anhaltischen Herzogtümer. In der Festungsstadt Magdeburg residierten der Oberpräsident der Provinz und der Regierungspräsident des nördlichen Regierungsbezirks, zu dem die seit Jahrhunderten zur Mark Brandenburg gehörende Altmark geschlagen worden war. Merseburg hatte im Südosten in integrativer Absicht den Vorzug vor dem „altpreußischen“ Halle bekommen und wurde auch Sitz des seit 1825 tagenden Provinziallandtags. Sitz der Bezirksregierung wurde das Schloss der geschichtsträchtigen Bischofs- und Residenzstadt, der Landtag trat im Schlossgartensalon zusammen.

Mit den Regierungsbezirken Magdeburg und Merseburg war die territoriale Basis für das heutige Sachsen-Anhalt gelegt. Freilich spotteten schon Zeitgenossen wie Historiker Heinrich von Treitschke über die Provinz als „wunderliches Gewirr“ aus historisch-kulturell sehr unterschiedlichen Gebietsteilen von der altmärkisch-norddeutschen „Wiege Brandenburgs“ bis hin zum thüringisch-sächsisch geprägten Süden. Jene Diskussionen sind bis hin zu den Landesgründungen 1945 und 1990 immer wieder aufgeflammt. Aber auch wenn es kein etwa mit Sachsen und Thüringen vergleichbares Landesbewusstsein gibt, so blickt das heutige Bundesland doch auf eine große Geschichte mit integrativen Ansätzen zurück.

Die neue Provinz Sachsen besaß für Preußen an der West- und Südflanke seines Kerngebietes große strategische Bedeutung. Magdeburg wurde weiter als stark befestigtes Bollwerk ausgebaut. Überall wurden Garnisonen angelegt. Preußen nahm fortan starken Einfluss auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Region. Insbesondere aber entwickelte die nach anfänglichen Schwierigkeiten allmählich zusammenwachsende Provinz als ein Kernraum der beginnenden Industrialisierung eine gewisse Anziehungskraft nach innen und außen, die bis heute erinnerungskulturell nachwirkt.

Auch im Kulturbereich schuf man neue Strukturen. Während etwa die praktisch erloschene Universität Erfurt 1816 geschlossen wurde, baute man die Universität Halle zur modernen Hochschule für die Provinz aus. 1817 entstand durch den Zusammenschluss mit der Leucorea die Universität Halle-Wittenberg. In vielen Bereichen war das Bemühen zu erkennen, die „Neupreußen“ an das Königreich der Hohenzollern zu binden. Eine nicht unwichtige Rolle spielte hierbei die 1876 gegründete Historische Kommission. Mit dem Beitritt Anhalts 1900 zur Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Fürstentum Anhalt erweitert, wies sie bereits auf die heutige Historische Kommission für Sachsen-Anhalt voraus. Ähnlich ist aus dem 1882 gegründeten preußischen Provinzialmuseum das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle hervorgegangen. (Abb.: Wappen der Provinz Sachsen von 1927, Wikipedia, gemeinfrei)


Steffen Raßloff: Preußisches Kernland. Die Provinz Sachsen. In: Sachsen-Anhalt. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2020. S. 82 f.


Siehe auch: Erfurt und Preußen, Regierungsbezirk Erfurt, Universität Erfurt, Geschichte Thüringens, Mitteldeutsche Geschichte