Neuenburg Landgrafen Thueringen

Neuenburg

Im Mittelalter war die Geschichte Sachsen-Anhalts eng mit der Thüringens verbunden. Hierfür steht insbesondere die Neuenburg bei Freyburg, neben der Wartburg glanzvollster Sitz der sagenumwobenen Landgrafen von Thüringen.


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Schon im frühen Mittelalter war die Geschichte Sachsen-Anhalts eng mit der Thüringens verbunden. So erstreckte sich die Herrschaft des machtvollen Königreiches der Thüringer im 5. und 6. Jahrhundert bis in die Altmark. Liegt jenes 531 nach einer verheerenden Schlacht an der Unstrut gegen die Franken untergegangene Königreich weitgehend im Dunkel der Geschichte, so hat die Zeit der ludowingischen Landgrafen von Thüringen im 12. und 13. Jahrhundert viele Spuren im südlichen Landesteil hinterlassen. Heraus ragt hierbei eine stolze Landgrafenburg – die Neuenburg bei Freyburg.

Die nach dem Vornamen ihrer erstgeborenen männlichen Vertreter bezeichneten Ludowinger stammten aus dem Fränkischen und hatten sich unter Ludwig dem Bärtigen um 1040 im Thüringer Wald angesiedelt. Schon diesem ersten Ludwig gelang der Ausbau seiner Herrschaft nach Norden durch Gebiete um Sangerhausen und im Unstruttal. Sein Sohn Ludwig der Springer, legendärer Gründer der Wartburg, der Neuenburg und des Klosters Reinhardsbrunn, knüpfte erfolgreich hieran an. Durch Erbschaft erreichte wiederum sein Sohn Ludwig die Ausdehnung des Besitzes nach Hessen.

1131 wurde dieser als Ludwig I. mit der vom Kaiser neu geschaffenen Würde der Landgrafen von Thüringen belehnt. Bald zählten die Ludowinger zu den mächtigsten Reichsfürsten. Ludwig II. festigte die Bindung an das staufische Kaiserhaus durch die Heirat einer Halbschwester Friedrich Barbarossas. Unter Ludwig III. erreichte die Landgrafschaft im Zuge der Entmachtung des Welfenherzogs Heinrich der Löwe erheblichen Bedeutungszuwachs. Den glanzvollen Höhepunkt bildete die Regentschaft Hermanns I. Mit seinem Namen ist der sagenhafte „Sängerkrieg auf der Wartburg“ von 1206/07 verbunden, Symbol für die am Landgrafenhof gepflegte ritterlich-höfische Adelskultur. Ludwig IV., der Heilige ist als Gemahl der Heiligen Elisabeth in Erinnerung geblieben.

Die Erhebung von Ludwigs Nachfolger Heinrich Raspe zum deutschen König 1246 bedeutete allerdings keinen krönenden Gipfelpunkt. Nicht nur, dass sich Heinrichs Königtum gegen den Staufer Friedrich II. in keiner Weise durchsetzen konnte, schon 1247 erloschen die Ludowinger im Mannesstamm. Ein blutiger Erbfolgekrieg endete mit der Teilung der Landgrafschaft in eine hessische und thüringische Hälfte. Letztere fiel an die wettinischen Markgrafen von Meißen, die später als Kurfürsten von Sachsen auch große Teile des südlichen Sachsen-Anhalts beherrschten.

Eindrucksvollstes Bau- und Kulturdenkmal der Landgrafenzeit ist die Neuenburg. Die um 1090 begründete Burg bei Freyburg hoch über dem Unstruttal mit seinen Weinhängen geht wie die Wartburg (um 1080) auf Graf Ludwig den Springer zurück. Er schuf damit den zweiten wichtigen Eckpfeiler ludowingischer Macht rund um das Thüringer Becken. Mit dem Aufstieg zu einem der einflussreichsten Fürstengeschlechter des Reiches erhielt die größte der Landgrafenburgen eine glänzende Ausstattung, die einen Vergleich mit den Herrschaftssitzen der staufischen Kaiser nicht zu scheuen brauchte. Heraus ragt hierbei die um 1175 entstandene schmuckvolle Doppelkapelle im romanischen Palas der Burg.

Die Ludowinger sind bis heute auch durch zahlreiche Sagen von Ludwig dem Springer über den Sängerkrieg auf Wartburg bis hin zum Rosenwunder der Heiligen Elisabeth in der kollektiven Erinnerung verankert. Eine dieser Sagen, die wahre Geschichte und Poesie kunstvoll verweben, spielt auf der Neuenburg. Sie nimmt Bezug auf die große Machtstellung der Landgrafen und ihre Nähe zum staufischen Kaiserhaus. 1171 habe Kaiser Barbarossa bei einem Besuch seines Schwagers Ludwig II. die zu geringe Stärke der Mauern bemängelt. Innerhalb einer Nacht soll darauf Ludwig seine gewappneten Gefolgsleute um die Burg versammelt haben, worauf der Kaiser ausrief: „Treue Mannen sind die beste Mauer!“ (Foto: Wikipedia, Mewes)


Steffen Raßloff: Glanzvolles Erbe der Landgrafen. Die Neuenburg bei Freyburg. In: Sachsen-Anhalt. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2020. S. 22 f.


Siehe auch: Landgrafen von Thüringen, Geschichte Thüringens, Mitteldeutsche Geschichte