Mittelalterlicher Pranger

Pranger aus dem Mittelalter

Aus der Serie Fundstücke aus dem Stadtmuseum mit Gudrun Noll und Dr. Steffen Raßloff (08.11.2012)


Öffentliche Schande


Zu einem Pranger befragten wir Kustodin Gudrun Noll vom Stadtmuseum:


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Dieses Ausstellungsstück sieht sehr alt aus.

Das ist eine echte Rarität: Während viele ausgestellte Pranger in Museen Nachbildungen aus dem 19. Jahrhundert sind, handelt es sich bei dem Erfurter Exemplar um ein Originalfragment, das zur Altertumssammlung des Rathauses gehörte und 1974 in das damals neu gegründete Museum für Stadtgeschichte gelangte. Beim genaueren Hinsehen kann man auf den Holzbalken Ritzzeichnungen erkennen, wie z. B. ein Spielbrett.


Wofür wurden Menschen öffentlich angeprangert und was bezweckte man damit?

Pranger sind Strafwerkzeuge mittelalterlicher Gerichtsbarkeit. Mit dem Einschließen wurden die Delinquenten öffentlich zur Schau gestellt, um sie dem Hohn und Spott ihrer Mitmenschen auszusetzen. Da es dabei den Übeltätern an die Ehre ging, gehört das Anprangern zu den Ehrenstrafen, die durch die niedere Gerichtsbarkeit für kleinere Vergehen, z.B. Sittlichkeitsdelikte, Betrügen mit falschen Maßen, wie z. B. Backen zu kleiner Brötchen, Diebstahl in Form von heutigem Mundraub, Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch Randalieren u.ä., verhängt wurden. Die öffentliche Schande verstellte den verurteilten Personen die Rückkehr in die städtische Gemeinschaft, denn die anderen Bürger mieden sie aus Angst, den eigenen Leumund zu verlieren.


Siehe auch: Stadtmuseum Erfurt, Geschichte der Stadt Erfurt