Missionar Bonifatius Thueringen

Missionar Bonifatius in Thüringen

Der Missionar Bonifatius trieb die Christianisierung Thüringens im 8. Jahrhundert als Teil der fränkischen Machtsicherung entscheidend voran. Hierfür steht symbolisch die im Erfurter Rathausfestsaal ins Bild gesetzte Fällung einer Donareiche.


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Der angelsächsische Missionar Bonifatius hat als „Apostel der Deutschen“ im 8. Jahrhundert wesentlich an der Christianisierung Thüringens mitgewirkt. Als Ergebnis langjähriger Tätigkeit gründete er 742 das Bistum Erfurt, das jedoch bald darauf an Mainz angegliedert wurde. Dennoch legte Bonifatius damit den Grundstein für die Stellung Erfurts als kirchliches Zentrum in Thüringen, das heute Sitz eines katholischen Bistums und des Landeskirchenamtes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist.

Die Bistumsgründung 742, genauer gesagt ein entsprechender Brief an Papst Zacharias, stellt zugleich die urkundliche Ersterwähnung von erphesfurt dar, das schon lange eine Stadt heidnischer Bauern gewesen sei. Deshalb hat auch Historienmaler Prof. Peter Janssen den Missionar an den Anfang seines 1882 vollendeten imposanten Wandbildzyklus‘ im Erfurter Rathausfestsaal gestellt.

Gezeigt wird die legendäre Fällung einer Eiche im nahen Steigerwald, die dem germanischen Gott Donar geweiht war. Im Vordergrund gelingt es Bonifatius offenbar, Bewohner der Stadt angesichts der ausbleibenden Strafe durch den Donnergott vom Wort Gottes zu überzeugen. Im Hintergrund wenden sich erzürnte Anhänger des alten Glaubens ab. Dies steht für den keineswegs reibungslosen Prozess der Christianisierung der Germanen – Bonifatius selbst wurde 754 von heidnischen Friesen erschlagen. Die heutige Geschichtsschreibung verlegt die Fällung der Donareiche freilich eher ins hessische Geismar nahe der Büraburg, wie es schon in der zeitgenössischen Biographie Willibalds von Mainz zu lesen steht. Spärliche Quellenlage und Reiz der weit verbreiteten Sage mögen es aber verzeihlich machen, wenn die Thüringer dieses Ereignis für sich in Anspruch nahmen.

Der mutige Baumfäller steht unverkennbar als Symbolfigur für das siegreiche Christentum. Seine unerschütterliche Gestalt täuschte allerdings im späten 19. Jahrhundert über dessen schleichenden Erosionsprozess hinweg. Zwar bekannten sich noch fast alle Erfurter offiziell zum christlichen Glauben, gut 80 Prozent waren evangelisch. In Thüringen war aber keineswegs mehr jeder von der göttlichen Weltordnung überzeugt. Die aufstrebende Arbeiterbewegung setzte dem Christentum eine atheistische Weltanschauung entgegen. Auch für manchen national-liberalen Bürger hatte seine Verbindlichkeit nachgelassen.

Insbesondere der Protestantismus ist seither stark ausgehöhlt worden. Das Ende des Kaiserreiches mit seinen privilegierten fürstlichen Landeskirchen 1918, zwei antikirchliche Diktaturen und die Zeit nach 1989 haben den Anteil der evangelischen Bevölkerung dramatisch zurückgehen lassen. Gleichwohl sollte man sich der christlichen Wurzeln unserer Geschichte bewusst bleiben. Das hat auch der Rotary Club Erfurt 2017 zum Anlass genommen, der Stadt zwei bronzene Statuen zu schenken. Bonifatius schmückt seither mit Martin Luther auf Höhe des Festsaales die Fassade des Erfurter Rathauses. (Foto: Matthias Ecker)

Steffen Raßloff: Der ohnmächtige Donnergott. Bonifatius und die Christianisierung Thüringens. In: Thüringen. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2018. S. 18 f.


Siehe auch: Geschichte Thüringens, Bonifatius und Erfurt, Rotary Club Erfurt