Kyffhaeuserdenkmal

Kyffhäuserdenkmal

Das Kyffhäuserdenkmal auf der einstigen Reichsburg Kyffhausen soll das Deutsche Kaiserreich von 1871 verkörpern. Es verbindet den Mythos von Kaiser Barbarossa mit dem Hohenzollern-Kaiser Wilhelm I., der als „Reichsgründer“ dessen Mission erfüllt habe.


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Seit der Zeit der Salier hatten die regionalen Herrscherhäuser immer mehr an Macht gewonnen, was später in die charakteristische Kleinstaatenwelt Thüringens münden sollte. Das Reichsoberhaupt suchte dagegen u.a. durch Burgenbau seine Position zu stabilisieren. Bekanntestes Beispiel ist die Reichsburg Kyffhausen auf dem Kyffhäusergebirge. Im 12. und 13. Jahrhundert erlebte die imposante Höhenburg oberhalb der Pfalz Tilleda unter den Königen und Kaisern aus dem Geschlecht der Staufer ihre Blütezeit. Unter ihnen erfolgte auch die Anlage der Reichsstädte Nordhausen und Mühlhausen, die sich dauerhaft als Stütze der Reichsgewalt behaupten konnten.

Jene letzte Blüte der kaiserlichen Zentralgewalt in Thüringen war der Ausgangspunkt für die spätere Verknüpfung des Kyffhäusers mit der Sage über Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der dort auf seine Rückkehr warten soll, bis ihn das Reich wieder brauche. Es kam aber bekanntlich anders. Es waren die Preußen, die 1871 nach drei „Reichseinigungskriegen“ das zweite Deutsche Kaiserreich begründeten. Hierauf verweist auch das vom Deutschen Kriegerbund angeregte Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal auf dem Kyffhäuser, das 1896 feierlich eingeweiht wurde. Das gewaltige Kyffhäuserdenkmal gilt als zweitgrößtes Nationaldenkmal in Deutschland nach dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

Auf dem Gelände der ehemaligen Reichsburg hatte man ein 81 Meter hohes Denkmal errichtet, das sich an die Burgenarchitektur der Stauferzweit anlehnt. Sein markanter Turm ragt weit in die Landschaft und wird von einer Kaiserkrone gekrönt. Am Sockel befindet sich eine Sandsteinfigur von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (reg. 1152-1190), der gerade aus seinem jahrhundertelangen Schlaf zu erwachen scheint. Darüber befindet sich ein bronzenes Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. (reg. 1871-1888).

Mit dem Zusammenführen beider Kaiser in einem Denkmal wollte man symbolisch das verklärte mittelalterliche Kaiserreich mit dem neuen preußisch-deutschen Nationalstaat von 1871 in Verbindung setzen. Auf diesem Wege sollte zugleich der neuen Kaiserdynastie der Hohenzollern eine weit zurückreichende Traditionslinie verschafft werden. Der beliebte „Reichsgründer“ hatte, so die Aussage, den alten Barbarossa-Mythos erfüllt. Die Verknüpfung von Barbarossa („Rotbart“) und Barbablanca („Weißbart“) gewann nach dem Tode Kaiser Wilhelms I. weiter an Popularität. Mit dem Kyffhäuser-Denkmal fand sie nur ihren monumentalsten Ausdruck. Die beiden Kaiser waren etwa auch an der Fassade des Erfurter Rathauses zu finden.

Seine zunehmende nationalistische Instrumentalisierung brachte den Rotbart-Weißbart-Mythos jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg in Verruf. Nach 1945 war es ausgerechnet die sowjetische Besatzungsmacht, die eine Zerstörung des Denkmals durch die Kommunisten verhinderte – die Deutschen sollten vielmehr mit ihrer Geschichte und deren Denkmalen leben lernen. Heute gehört das Kyffhäuserdenkmal mit seinem touristischen Umfeld zu den beliebtesten Ausflugszielen in Thüringen. Neben dem Charakter als vielschichtiges historisches Highlight dürfte hierzu auch der grandiose Ausblick vom Turm des Denkmals über weite Teile des Landes vom Harz bis zum Thüringer Wald beitragen. (Foto: Dr. Steffen Raßloff)


Steffen Raßloff: Barbarossa und Barbablanca. Das Kyffhäuserdenkmal. In: Thüringen. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2018. S. 90 f.


Siehe auch: Geschichte Thüringens, Kyffhäuserdenkmal