Kettenhemd Mittelalter

Kettenhemd aus dem Mittelalter

Aus der Serie Fundstücke aus dem Stadtmuseum mit Gudrun Noll und Dr. Steffen Raßloff (26.07.2012)


Hemd ohne Laufmaschen

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Zu einem Kettenhemd befragten wir Gudrun Noll, Kustodin im Stadtmuseum:


Wie strickt man so eine Kettenhemd?

Wie bei dem über 10 kg schweren Exemplar im Stadtmuseum zu erkennen, fasst jeder Ring des Kettengeflechtes vier andere ein. Die Ringe sind vernietet und besitzen eine große Stabilität. Selbst wenn ein oder mehrere Ringe aufgehen, bleibt das Geflecht stabil. Es drohten also keine v.a. von der Damenwelt bis heute so gefürchteten Laufmaschen bei dieser martialischen Arbeitskleidung. Der Typus des Maschenpanzers, auch bekannt unter dem Namen Kettenhemd, war übrigens bereits in der Antike eine bekannte Schutzwaffe und fand im Mittelalter große Verbreitung.


Bot das Hemd wirklich den erhofften Schutz?

Das Kettenhemd bewahrte seine Träger ausschließlich vor Schnittwunden. Vor der Wucht des Schlages oder Hiebes konnte es nicht schützen, sodass Knochenbrüche, Quetschungen oder innere Blutungen nicht zu verhindern waren. Der Schutz vor Schnittwunden mag heute belächelt werden, war aber im Mittelalter aufgrund der mangelnden Hygiene und der unzureichenden medizinischen Versorgung auf den Schlachtfeldern überlebenswichtig: Viele Kämpfer starben nicht an ihren Verletzungen, sondern an Infektionen. Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen verdrängte der Plattenharnisch seit dem 15. Jahrhundert das Panzerhemd.


Siehe auch: Stadtmuseum Erfurt, Geschichte der Stadt Erfurt