Herzog Ernst der Fromme Gotha

Herzog Ernst der Fromme von Sachsen-Gotha-Altenburg

Herzog Ernst I. begründete in Gotha 1640 einen protestantischen Musterstaat. Er gab Religion, Bildung und Kultur wichtige Impulse. Monumentalste Hinterlassenschaft des tief religiösen Herzogs ist Schloss Friedenstein, größter frühbarocker Schlossbau in Deutschland.


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Die thüringischen Kleinstaatenfürsten haben der Kulturgeschichte bedeutende Impulse verliehen. Beispielhaft hierfür steht Herzog Ernst I., der Fromme. Er machte 1640 Gotha zur Residenz des Herzogtums Sachsen-Gotha, das 1672 zu Sachsen-Gotha-Altenburg vergrößert wurde. Weit ins Land hinaus sichtbarer Mittelpunkt wurde Schloss Friedenstein in Gotha mit seiner strahlend weißen Fassade. Der Name war Programm und sollte für einen Aufbruch in jener dunklen Zeit des Dreißigjährigen Krieges 1618-1648 stehen.

Die Architektur des Schlosses wurde ganz auf seine Funktionen ausgerichtet: Der Nordflügel war den Wohn- und Staatsräumen der Herzöge einschließlich der Hofkirche vorbehalten. Die Seitenflügel dienten unter anderem Gästen als Unterkunft. An ihrem südlichen Ende schlossen sich die beiden markanten Türme für Repräsentation und Kultur an. Schloss Friedenstein gilt damit als vorbildlich für den Residenzbau des Barock. Die Stiftung Schloss Friedenstein und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten pflegen gemeinsam dieses Erbe und die zahllosen Kulturschätze, die Ernst und seine Nachfolger zusammentrugen. Die Museen im Schloss zählen so zu den historisch-touristischen Highlights in Thüringen.

Ernst der Fromme gab der Entwicklung des Landes viele wichtige Anstöße. Durchdrungen von tiefer Religiosität sah er seine Aufgabe darin, für das Seelenheil der Untertanen zu sorgen. Das gottgefällige Leben der Landeskinder wurde bis in den Alltag hinein geregelt und intensiv überwacht. Zugleich sollte der Bildungsgrad erhöht werden. Mit einer Schulordnung von 1642 regelte Sachsen-Gotha als eines der ersten deutschen Länder verbindlich den Schulbesuch. Ernsts sah sich auch dem Selbstverständnis der Ernestiner als Bewahrer des Luthertums verpflichtet. Auf ihn geht etwa der herausragende Bestand reformationsgeschichtlicher Handschriften und Drucke zurück. Über Jahrhunderte ausgebaut und wissenschaftlich gepflegt, gilt die heutige Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt als Gedächtnis der Reformation, die freilich auch Schätze aus vielen anderen Epochen zu bieten hat.

Auf dem von Ernst gelegten Fundament aufbauend blieb Sachsen-Gotha-Altenburg bis ins späte 18. Jahrhundert das bedeutendste ernestinische Herzogtum noch vor Weimar. Zwischenzeitlich wurde es freilich auch von der bisweilen grotesken Teilungspraxis der Ernestiner erfasst. Ernsts Sohn Friedrich I. musste das Territorium 1680 mit seinen sechs Brüdern teilen. Neben Sachsen-Gotha-Altenburg gab es nun auch Sachsen-Coburg, -Meiningen, -Römhild, -Eisenberg, -Hildburghausen und -Saalfeld.

Seine letzte Ruhestätte fand Ernst der Fromme in der Margarethenkirche. 1728 ließ sein Enkel Friedrich II. dort ein repräsentatives Epitaph errichten. Seit 1904 steht der Begründer des Gothaer Herzogtums auch in Bronze gegossen vor Schloss Friedenstein mit Blick auf die Altstadt (Foto: Lutz Ebhardt). Die Bürger Gothas hatten das Monument mit Unterstützung des Herzogshauses und Kaiser Wilhelms II. dem „Musterbild eines deutschen evangelischen Landesfürsten“ gewidmet. Das eher ungewöhnliche Standbild mit der Bibel in der Hand – meist wurden Fürsten hoch zu Ross und mit militärischen Attributen dargestellt – symbolisiert die großen Verdienste für Religion, Bildung und Kultur.


Steffen Raßloff: Der fromme Herzog. Herzog Ernst der Fromme und Gotha. In: Thüringen. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2018. S. 48 f.


Siehe auch: Geschichte Thüringens, Geschichte der Stadt Gotha