Gartenbauunternehmen J.C. Schmidt

Gartenbauunternehmen J.C. Schmidt

Beitrag der Serie Mythos Blumenstadt in der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (14.04.2007)


"Blumenschmidt"

Mythos Blumenstadt (4): Das Gartenbauunternehmen J.C. Schmidt

Die 1823 gegründete Gartenbaufirma J.C. Schmidt ging als „Blumenschmidt“ in die Geschichte ein. Mit wirtschaftlichem Erfolg und vielen Innovationen trug sie wesentlich zur Weltgeltung der „Blumenstadt“ Erfurt bei. Das Palmenhaus am Anger erinnert an den Glanz der großen Zeit des Erfurter Gartenbaus um 1900.


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Firmengründer Johann Christoph Schmidt (1803-1868) hatte zunächst in der Tradition seines Vaters als Wachsbossierer gearbeitet. Aus dem Rohstoff Bienenwachs gestaltete er u.a. beliebte Wachsfiguren. Auf dem Umweg über den Blumenanbau für seine Bienen machten Schmidt und seine Nachkommen schließlich ganz in Blumen. Die 1823 gegründete Firma „J.C. Schmidt“ bekam rasch den Ehrennamen „Blumenschmidt“.

Johann Christoph Schmidt gehörte zu den aktiven Gründungsmitgliedern des Gartenbauvereins (1838), der für fachlichen Austausch sorgte, Ausstellungen vorbereitete und an der Gründung der „Thüringer Gartenbauzeitung“ beteiligt war. Kaum eine wichtige Neuerung in der Branche geschah ohne Schmidts Zutun, so etwa der erstmalige Versandt von getrockneten Blumen (1853) und frischen Schnittblumen (1854), gewissermaßen die Vorläufer des heutigen Fleurop-Systems. Spezialitäten von Blumenschmidt waren darüber hinaus die Bukett- und Kranzbinderei sowie die Herstellung von Wachsblumen.

Heinrich Schmidt (1841-1890) führte die Firma seines Vaters erfolgreich weiter. Zum äußeren Ausdruck des wirtschaftlichen Erfolges wurde der 1888 an der Ecke Schlösserstraße/Anger neben der Lorenzkirche errichtete Verkaufspavillon. Mit der eindrucksvollen Glasarchitektur des „Palmenhauses“ setzte sich „Blumenschmidt“ im Herzen der Stadt ein bleibendes Denkmal.

Teilhaber Ernst Müller übernahm nach dem Tod von Heinrich Schmidt 1890 die Firma als Alleininhaber. Der intelligente und erfolgreiche Kaufmann verhalf „Blumenschmidt“ zu neuem Aufschwung. Allerdings verstarb auch er schon 1900 im Alter von nur 45 Jahren. Später übernahmen sein Sohn Alfred Müller und Alfred Wentscher die Firma. Die eigentlich prägende Persönlichkeit über Jahrzehnte hinweg war die Witwe Ernst Müllers, Seniorchefin Marie Bauer. Sie genoss hohes Ansehen und spielte im gesellschaftlichen Leben der Stadt eine wichtige Rolle. Ihr Andenken ist in dem nach dem Ersten Weltkrieg am Ringelberg errichteten Marienhof verewigt. Dort hatte man einen Saatguthof mit Schäferei und Fohlenzucht eingerichtet. Das Krämpferfeld am nordwestlichen Stadtrand war seit langem das „Revier“ von „Blumenschmidt“. Große Gewerbeanlagen befanden sich an der Leipziger Straße gegenüber dem alten Nordhäuser Bahnhof.

Allerdings gehörte „Blumenschmidt“ zu jenen Gartenbauunternehmen, die die großen Beeinträchtigungen durch Ersten Weltkrieg und Krise der Weimarer Republik nicht überstanden. 1926 musste die Firma Bankrott anmelden und verschmolz mit dem Gartenbauunternehmen Benary. (Foto: privat)


Lesetipp:

Martin Baumann/Steffen Raßloff (Hg.): Blumenstadt Erfurt. Waid - Gartenbau - iga/egapark. Erfurt 2011.


Siehe auch Geschichte der Stadt Erfurt