Gartenbauunternehmen F.C. Heinemann

Gartenbauunternehmen F.C. Heinemann

Beitrag der Serie Mythos Blumenstadt in der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (07.04.2007)


Kaiserlicher Preis

Mythos Blumenstadt (3): Das Gartenbauunternehmen Heinemann

Er ging mit Ernst Benary gemeinsam zur Schule und hat fünf Jahre nach diesem 1848 ebenfalls eine Gärtnerei gegründet. Auch Friedrich Carl Heinemanns Samenszuchtbetrieb trug maßgeblich zum internationalen Ruf Erfurts als Blumenstadt bei.


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Friedrich Carl Heinemann (1819-1875) stammte aus Vieselbach. Sein Vater ermöglichte ihm eine gründliche Ausbildung in der Hofgärtnerei Belvedere in Weimar und naturwissenschaftliche Studien an der Universität Jena. Nach beruflichen „Wanderjahren“ in Deutschland, Frankreich, England, Belgien und Österreich gründete er im Revolutionsjahr 1848 in Erfurt seine eigene Firma.

„F.C. Heinemann“ wurde rasch zum internationalen Markenzeichen für Blumen- und Gemüsesamen. Wohn- und Betriebsgelände befanden sich im Bereich des heutigen Huttenplatzes, später kamen große Erweiterungen westlich der Nordhäuser Straße hinzu. Heinemanns Versandkataloge, die schon 1850 2600 Samenarten aufwiesen, konnten sich bald mit hohen Auszeichnungen schmücken. Auf der legendären Erfurter Gartenbauausstellung 1865 gewann er den von Kaiserin Augusta gestifteten Ersten Preis. Natürlich zählte Friedrich Carl Heinemann ebenso wie seine Nachkommen zur Honoratiorenschaft der Stadt. Er gehörte der noblen Gesellschaft „Ressource“ an, wirkte im katholischen Kirchenvorstand, betätigte sich ehrenamtlich und als Stifter.

Nach den drei Söhnen war es an den Enkeln Waldemar und Alfred Heinemann, die Firma nach dem Ersten Weltkrieg ab 1919 bzw. 1924 durch die Wirren der krisengeschüttelten Weimarer Republik zu führen. Es gelang ihnen wie vielen der Erfurter Gartenbaukollegen, die internationale Marktstellung zumindest in großen Teilen zurück zu gewinnen. Auf dem Gelände des Stammsitzes an dem heutigen „wilden“ Parkplatz am Huttenplatz und in der Marbacher Flur entfaltete sich wieder geschäftiges Treiben. Neben dem Versandhandel betrieben die Heinemanns wegweisende Grundlagenforschung und Neuzüchtungen, erweiterten das Geschäft durch eine Baumschule. Der 1926 erstmals in Kupferdruck herausgegebene Hauptkatalog und Ratgeber fand viele Liebhaber.

Auch nach der „Machtergreifung“ Hitlers 1933 blieb das Geschäft auf dem Vormarsch. Starke Berührungsängste zum neuen Regime scheint man dabei nicht gehabt zu haben. Besitzer Waldemar Heinemann gehörte zu den „Märzgefallenen“, d.h. zu denjenigen, die nach Ansicht vieler „alter Kämpfer“ aus opportunistischen Gründen im Frühjahr 1933 der NSDAP beigetreten waren. Das Nachkriegsschicksal der Firma F.C. Heinemann schließlich steht beispielhaft für viele Privatunternehmen nicht nur der Gartenbranche. Verließen etwa die Benarys schon 1951 Erfurt Richtung Westen, wurde der Firmeninhaber Alfred Heinemann 1953 wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Ende der 50er Jahre siedelte er ebenfalls in die Bundesrepublik über. 1972 erfolgte die endgültige Verstaatlichung des Unternehmens. (Foto: privat)


Lesetipp:

Martin Baumann/Steffen Raßloff (Hg.): Blumenstadt Erfurt. Waid - Gartenbau - iga/egapark. Erfurt 2011.


Siehe auch Geschichte der Stadt Erfurt