Der Charme der Sechziger

Der Charme der Sechziger

Mit dem egapark besitzt Erfurt eine einmalige Gartenanlage im Stil der 1960er Jahre

2011 feiert die iga ihren 50. Geburtstag. Wie sehr dieses einmalige Gartengelände mit seinem typischen Charme den Erfurtern am Herzen liegt, zeigen die aktuellen Diskussionen um den Rundbau am Spielplatz. Deshalb dürfte ein Zukunftskonzept auf viel Zustimmung treffen, das ganz auf das Alleinstellungsmerkmal “60er-Jahre-Park” setzt. Denkmalpfleger und Marketingexperten hat es jedenfalls schon überzeugt.

Von Dr. Steffen Raßloff


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Manchmal müssen wir Erfurter uns selbst deutlich machen, was für kulturhistorische Schätze unsere Stadt birgt. Ohne Zweifel gehört hierzu das Flaggschiff der Blumenstadt, der egapark. Die “iga ´61” bildete die bedeutendste Gartenbauausstellung der DDR mit internationaler Strahlkraft. 1970 rückte sie als Pressezentrum des ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffens Brandt-Stoph sogar in den Fokus der Weltmedien. Darüber hinaus wird der Gestaltung durch den bedeutenden Gartenarchitekten Reinhold Lingner, die bis heute im Kern erhalten ist, ein sehr hoher Wert beigemessen.

Das 50. Jubiläum der iga im Jahre 2011 sollte deshalb nach dem Wunsch der Thüringer Freizeit und Bäder GmbH der Stadtwerke, Betreiber des heutigen egaparks, den Anlass für eine Generalsanierung bilden. Diese ist leider wie vieles andere weitgehend dem Rotstift zum Opfer gefallen. An der Notwendigkeit umfassender Sanierungen ändert dies freilich nichts, ebenso wie an der eines schlüssigen Zukunftskonzeptes. Der egapark zieht zwar noch immer pro Jahr mehr als 400.000 Besucher an. Er muss sich aber unter den 17 schönsten Gärten Deutschlands, zu denen er laut Arbeitskreis Parkanlagen gehört, ein unverwechselbares Profil schaffen. Andrea Hildebrand, Marketingverantwortliche der TFB, schlägt die gezielte Ausrichtung auf das Konzept der 1960er Jahre vor. Das soll sich in der Erhaltung ebenso niederschlagen wie bei Erneuerungen. Darüber hinaus könnte das Design der Sechziger von Möblierung und Beschilderung bis hin zu Außendarstellung und Veranstaltungen wieder für ein unverwechselbares Gepräge sorgen. Das wäre nicht nur ein echtes Alleinstellungsmerkmal für den egapark, sondern würde auch aktuelle Entwicklungen aufgreifen. Kunst und Kultur der Sechziger gewinnen wieder zunehmend an Wertschätzung.

Das Konzept vermag die Experten zu überzeugen. Dr. Martin Baumann vom Landesamt für Denkmalpflege, bester Kenner der iga-Geschichte, findet es “richtungsweisend für den weiteren Umgang und die mögliche Weiterentwicklung des Gartenschaugeländes”. Marketingexperten wie Dr. Kerstin Waterstradt empfehlen eine rasche Umsetzung. Über diese Zukunftspläne sollten natürlich auch die Bürger unserer Stadt mit befinden, ist doch die iga mit ihrer handfesten Unterstützung im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) entstanden. Für viele Erfurter verbinden sich mit 50 Jahren iga bzw. egapark zahlreiche schöne Erinnerungen. Es gibt also gute Gründe, den einmaligen Charme eines Kultur- und Gartendenkmals der 1960er Jahre aufzupolieren. Angesichts der gelungen Verbindung von denkmalpflegerischen Anforderungen mit erfolgversprechenden Marketingstrategien wäre das Konzept von Andrea Hildebrand hierfür eine gute Grundlage.

(Thüringer Allgemeine vom 13. Mai 2010)