Bauhaus Weimar

Bauhaus Weimar 1919-1925

Die Klassikerstadt Weimar gilt dank der Gründung des Bauhauses 1919 auch als Wiege der kulturellen Moderne. Hieran erinnern authentische Orte mit UNESCO-Welterbe-Status ebenso, wie das neue Bauhaus Museum und die Bauhaus-Universität.


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Weimar genießt als Klassikerstadt weltweite Bekanntheit. Allerdings lässt es sich keineswegs auf die Höhen der Literaturgeschichte um 1800 reduzieren. Vielmehr war es auch Schauplatz eines epochalen Aufbruchs in die Moderne: 1919 wurde hier nicht nur die Weimar Republik, sondern gleichzeitig das Bauhaus gegründet. Letzteres gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der kulturellen Moderne. Angedeutet hatte sich dieser Versuch eines Neuen Weimars schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Wirken von Harry Graf Kessler und Henry van de Velde. Deren Impulse wurden nach 1918 aufgenommen und erlangten mit dem Bauhaus eine nachhaltige Wirkung. Dessen Erinnerungsorte zählen heute ebenso wie die Klassikerstätten zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Zunächst versuchte der Freistaat Sachsen-Weimar-Eisenach die im Ersten Weltkrieg zum Erliegen gekommenen Weimarer Hochschulen wieder in Gang zu bringen. Am 12. April 1919 erhielt die aus der Hochschule für bildende Kunst und der Kunstgewerbeschule gebildete Einrichtung den Namen Staatliches Bauhaus in Weimar. Direktor wurde der noch von Henry van de Velde vorgeschlagene Architekt Walter Gropius. Gropius gehörte zu den renommiertesten Architekten, die auf eine moderne, funktionale Architektur in Abkehr vom Historismus sowie auf die Verbindung von Kunst, Handwerk und Industrie setzten.

Sitz der Hochschule wurde der 1911 eingeweihte Van-de-Velde-Bau, heute Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar, die sich gerne auf dieses große Erbe beruft. Gropius machte das Bauhaus zur „Wiege der Moderne“ in Architektur, Kunst und Design. Hierfür konnte er namhafte Vertreter der Moderne wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer oder László Moholy-Nagy gewinnen. Zu den Grundideen zählte die Harmonisierung von Kunst und Handwerk im Geiste der mittelalterlichen Bauhütten sowie eine klare, funktionale Formensprache. Gropius‘ Gründungsmanifest des Bauhauses zierte denn auch programmatisch der Holzschnitt „Kathedrale“ von Lyonel Feininger.

Höhepunkt der mit vielen Traditionen brechenden Tätigkeit war die große Bauhaus-Ausstellung 1923. Als frühestes Beispiel der Bauhaus-Architektur gilt das von Georg Muche hierfür errichtete Musterhaus Haus am Horn (Foto: Most Curious). Ein langes Bleiben war der Schule in Weimar mit seinem konservativen Bildungsbürgertum freilich nicht beschieden. Die politische Rechte verfemte das Bauhaus als Kulturbolschewismus und jüdische Unkultur, sein avantgardistisches Erscheinungsbild, die freizügigen Feierlichkeiten bis hin zum nächtlichen Nacktbaden der Studenten in der Ilm taten das ihrige. Dagegen konnte auch der große internationale Zuspruch wenig ausrichten. 1925 zog das Bauhaus nach Dessau um.

Heute bekennt sich die Klassik Stiftung Weimar als Träger der großen Kulturtraditionen voll zur Moderne. Ein neues Bauhaus Museum in spannungsreicher Nachbarschaft zum einstigen Gauforum der NS-Zeit wird im 100. Jubiläumsjahr 2019 die Weimarer Bauhaus-Sammlung aufnehmen. Sie umfasst rund 13.000 Objekte und gilt neben der Sammlung im Bauhaus-Archiv Berlin als die bedeutendste weltweit. Herausragende Exponate sind die Gemälde von Lyonel Feininger und Paul Klee, die Wiege von Peter Keler, die Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld und die Teekannen von Theodor Bogler.


Steffen Raßloff: Wiege der Moderne. Das Bauhaus in Weimar. In: Thüringen. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2018. S. 98 f.


Siehe auch: Geschichte Thüringens, Geschichte der Stadt Weimar, Bauhaus Erfurt, 100. Jubiläum 2019 in Erfurt, Nationalversammlung