Barbarossa Kniefall Heinrich der Löwe Erfurt 1181

Barbarossa und Heinrich der Löwe

Beitrag der Serie Wandbilder im Rathausfestsaal von Dr. Steffen Raßloff (2007)


Barbarossa und der Kniefall in der Peterskirche

Die Wandbilder im Rathausfestsaal (4): Kaiser Barbarossa in der Peterskirche 1181

Barbarossa, so stand sicher für Maler Prof. Janssen und die geschichtskundigen Erfurter fest, durfte im Wandbildzyklus des Rathausfestsaals nicht fehlen. Kaiser Friedrich I., der Rotbart, steht als strahlende Lichtgestalt für das Kaiserreich des Mittelalters.


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Mit jener Zeit verschmolz zugleich die Vorstellung von der wohlhabenden und mächtigen Quasi-Reichsstadt Erfurt, die der kaiserlichen Zentralgewalt sehr nahe stand. Das Bild verweist auf eine der großen Rivalitäten des Mittelalters, die am 11. November 1181 in Erfurt ihren Abschluss fand. Der Reichsfürst Heinrich der Löwe musste sich Kaiser Barbarossa beugen. Zuvor hatte der Welfe Heinrich seine Gefolgschaft für die Italienzüge des Staufers Barbarossa versagt und offen rebelliert. Sein Kniefall erfolgte in der Kirche des Petersklosters.

Der Reichstag von 1181 war nur eine von vielen Reichsversammlungen und Synoden, die das Benediktinerkloster mit seiner 1103 bis 1147 errichteten Kirche erlebte. Rudolf von Habsburg, den das nächste Bild zeigt, diente der Petersberg 1289/90 sogar für mehrere Monate als königliche Residenz. Es waren aber v.a. die Aufenthalte Barbarossas, die in der Erinnerung der Bürger der mittelalterlichen Handels- und Kulturmetropole Erfurt haften blieben.

Das spektakuläre Ereignis ist vom deutschen Nationalismus immer wieder aufgegriffen worden. Im Geschichtsverständnis des Kaiserreiches von 1871 spielte es eine wichtige Rolle. Nicht nur die Erfurter haben den Triumph Kaiser Rotbarts auf dem Petersberg 1181 voller Stolz in ihrer Bildergalerie festhalten lassen. Auch in der Ende des 19. Jahrhunderts restaurierten Kaiserpfalz zu Goslar etwa findet sich diese Szene. Leider blieb der Peterskirche eine Renaissance als nationales Kulturdenkmal verwehrt. 1803 hatten die Preußen das Kloster säkularisiert, nach der Bombardierung während der Befreiungskriege 1813 blieb nur die Kirche bestehen. Wenig zimperlich rissen die nach der „Franzosenzeit“ zurückgekehrten Preußen die Türme ab, bauten das Kirchenschiff drastisch zurück und zogen eine hölzerne Zwischendecke ein.

Für mehr als anderthalb Jahrhunderte diente das Gotteshaus nun als Lagerraum. Da der Petersberg zudem bis ins 20. Jahrhundert Militärgelände blieb - am Militär scheiterte auch 1911 eine ernsthafte Wiederaufbauinitiative -, geriet die Kirche weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein. Um so erfreulicher ist es, dass seit der „Wende“ 1989/90 wieder Bewegung auf den Petersberg gekommen ist. Mag die imposante romanische Kirche von 1181 sicher so nicht wieder erstehen, bleibt sie doch auch in ihren beachtlichen Resten ein historischer Erinnerungsort von großer Ausstrahlung.


Siehe auch: Rathaus, Geschichte der Stadt Erfurt, Peterskirche