Abkommen Napoelon Alexander Erfurter Fuerstenkongress 1808

Mittelpunkt der Weltpolitik

Beitrag der Serie Erfurter Fürstenkongress 1808 aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (2008)


Erfurt war der einzige ernsthafte Versuch des Feldherren Napoleon, seine europäische Vorherrschaft auf diplomatischem Wege abzusichern. Durch das Abkommen mit dem letzten kontinentalen Rivalen Zar Alexander I. wollte er sich im Osten den Rücken für seine Machtpolitik frei halten.


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Die Schwelle zur Neueren Geschichte wird von der Französischen Revolution seit 1789 markiert, der die Umwälzungen und langjährigen Kriege der “Napoleonischen Zeit” folgten. Zu den Schlüsselereignissen gehört die Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806, in der Napoleon Preußen besiegte und seine Vorherrschaft über Deutschland zementierte. Erfurt erlangte einen ganz besonderen Status. 1806 hatten französische Truppen die gewaltige Festung kampflos besetzt, 1807 erhob man es zur “Kaiserlichen Domäne”, die direkt Napoleon unterstellt war. Das bedeutsamste Ereignis, das sich während jener “Franzosenzeit” bis 1814 in Erfurt abspielte, war der Fürstenkongress Napoleons im Herbst 1808.

Napoleon Bonaparte, seit 1804 Kaiser der Franzosen, war in den Jahren zuvor als genialer Feldherr von Sieg zu Sieg marschiert. Er hatte große Teile Europas französischer Herrschaft unterworfen, Satellitenstaaten mit Familienangehörigen an der Spitze errichtet und die übrigen Großmächte besiegt. Der verbliebene weltpolitische Rivale England sollte durch eine Kontinentalsperre in die Knie gezwungen werden. Kurz, Napoleon genoss den Ruf eines schier unbezwingbaren Herrschers über Europa.

Allerdings hatten französische Truppen 1808 in Spanien erstmals herbe Niederlagen einstecken müssen. Dies veranlasste Napoleon zur Planung eines Feldzuges. Zuvor galt es, im Osten für Rückendeckung zu sorgen. Das 1807 in Tilsit mit Zar Alexander I. abgeschlossene Bündnis sollte erneuert werden, um insbesondere Österreich in Schach zu halten. Natürlich verfolgte auch Russland eigene Interessen. Letztlich galt es also die Interessen der beiden Großmächte Frankreich und Russland abzugleichen. “Die Aufmerksamkeit der Welt ist jetzt auf Thüringens bethürmte Hauptstadt gerichtet” - so konstatierte Kajetan Arnold in seinem Bericht “Erfurt in seinem höchsten Glanze” (1808).

Nach zähen Verhandlungen kam eine Vereinbarung zustande, in der sich der Zar gegen weitreichende Zugeständnisse zu einer Bündniserneuerung bekannte. Russland hatte jetzt u.a. freie Bahn für die Besetzung von Finnland und osmanischer Gebiete im heutigen Rumänien. Im Gegenzug sicherte Alexander neben einem Friedensappell an England Napoleon Unterstützung gegen Österreich zu. Gleichzeitig sandte er freilich ein Geheimschreiben an den österreichischen Kaiser Franz I., dass er im Kriegsfall nichts zu befürchten habe. Was war nun über das damit praktisch wertlose Bündnis das Besondere am Erfurter Fürstenkongress? Der erfolgreiche Feldherr Napoleon hatte sich erstmals auf Verhandlungen auf Augenhöhe eingelassen, während er bisher immer besiegten Gegnern seine Bedingungen diktiert hatte. Erfurt war damit zugleich auch der letzte ernsthafte Versuch, eine europäische Ordnung auf diplomatischem Wege zu errichten. So leitete Napoleons Russlandfeldzug 1812 schließlich eine europäische Neuordnung auf kriegerischem Wege ein. (Abb. Zar Alexander und Napoleon in Erfurt, Stadtmuseum Erfurt)


Lesetipp:

Steffen Raßloff: Pracht und Glanz. Der Erfurter Fürstenkongress 1808. In: Erfurt. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2021. S. 66 f.