Lutherkirche Weimarer Republik

Die Lutherkirche

Beitrag der Serie Bauhausjubiläum 2009 der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (10.01.2009)


Ein modernes Gotteshaus für den Norden

Bauhausjubiläum 2009 (7): Die Lutherkirche steht als einziger Sakralbau für das “neue Bauen” der 1920er Jahre


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Das “neue Bauen” der Weimarer Republik wird besonders durch Geschäftshäuser, Kinos oder Wohnungsbaukomplexe wie im Hanseviertel repräsentiert. Die Lutherkirche im Norden der Stadt stellt hierbei eher die Ausnahme dar. Seit dem späten 19. Jahrhundert war um sie gerungen worden.

Die dynamische Vergrößerung der Industriestadt Erfurt nach der Entfestigung 1873 brachte auch für die Kirchgemeinden Veränderungen mit sich. Sie hatten jetzt eine schnell wachsende Zahl an Mitgliedern jenseits des Altstadtkerns zu betreuen, was bald Pläne für Kirchenneubauten hervorrief. Mit der Thomaskirche in der Schillerstraße bekam zuerst der gutbürgerliche Süden 1902 sein eigenes Gotteshaus. Im einwohnerstarken Norden mit seinen wachsenden Arbeiter- und Kleinbürgerquartieren machte sich das Fehlen einer evangelischen Kirche dagegen immer stärker bemerkbar.

Bereits im Lutherjahr 1883 regte die für den Norden zuständige evangelische Augustinergemeinde einen Kirchenneubau an. Den finanziellen Grundstock stellten die Gelder, die von der Finanzierung des Lutherdenkmals am Anger übrig geblieben waren. Seit 1905 beschleunigte ein “Kirchenbauverein der Johannesvorstadt” das Vorhaben, hatte sich doch die Zahl der Gemeindemitglieder bis zur Jahrhundertwende von 5000 auf 26.000 mehr als verfünffacht. Die Besprechung der fertigen Baupläne im preußischen Kultusministerium war für den 1. August 1914 vorgesehen. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, am 31. Juli wurde in Deutschland der Kriegszustand ausgerufen, machte so auch diesem Projekt ähnlich wie beim Nordpark vorerst einen Strich durch die Rechnung.

Nach dem Krieg sorgten Wirtschaftskrise und Inflation für weitere Verzögerungen. Die seit 1921 selbstständige Luthergemeinde mit den Pfarrern Otto Breithaupt und Friedrich Klapproth hielt aber an den Plänen fest. Zunächst erwarb man rechtzeitig vor der völligen Entwertung der Kirchenbaugelder noch die Innenausstattung der aufgehobenen Garnisonkirche in Halle. Nach der Währungsreform im November 1923, die die “Goldenen Zwanziger” einläutete, nahm das Projekt schließlich Gestalt an. Der ausgewählte Entwurf des renommierten Architekten Jürgensen aus Berlin nahm die Anregungen des “neuen Bauens” auf. Der mit einer klaren Fassade versehene Rundbau erhielt zur Straße hin den markanten Glockentrum, der bis heute das Gesicht der Magdeburger Allee prägt.

Als Problem erwies sich zuvor aber noch die stolze Bausumme von 400.000 Mark. Aus Kirchengeldern und Spenden kam nur ein Zehntel der nötigen Summe zusammen. Lediglich die Städtische Sparkasse stellte eine Hypothek von 50.000 Mark zur Verfügung. Pfarrer Breithaupt kam schließlich auf die Idee, mit einer gewissen “Bauspargenossenschaft Gemeinschaft der Freunde in Wüstenrot” die Finanzierung zu sichern. 14 Bausparverträge zu je 25.000 Mark bei der heute sprichwörtlichen Bausparkasse brachten den Durchbruch. Am 7. Juni 1926 feierte die Gemeinde den ersten Spatenstich, bereits am 10. Dezember 1927 konnte Breithaupt seine Festpredigt zur Einweihung halten. Der Name Lutherkirche sollte daran erinnern, dass die eng mit dem Reformator verbundene Augustinerkirche die Rolle einer Mutterkirche gespielt hatte. (Foto: Stadtarchiv Erfurt)


Siehe auch: Lutherkirche, Erfurt in der Weimarer Republik, Ilversgehofen