Schreibkasten Martin Luther: Unterschied zwischen den Versionen

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= Schreibkasten von Martin Luther =
= 500. Reformationsjubiläum 2017 =


'''Aus der Serie [[Fundstücke aus dem Stadtmuseum]] mit Gudrun Noll und [[Steffen Raßloff|Dr. Steffen Raßloff]] (29.11.2012)'''
'''Beitrag der TA-Serie [[500. Reformationsjubilaeum Luther 2017|500. Reformationsjubiläum 2017]] von [[Steffen Raßloff|Dr. Steffen Raßloff]] (21.11.2015)'''




'''Wo Luther seine Tinte aufbewahrte'''
'''Eine „Lutherreliquie“'''


Auf dem Weg zu LUTHER 2017 (7): Luthers Schreibkasten im Stadtmuseum könnte 2017 ins Rampenlicht rücken.


Zu einem Schreibkasten befragten wir Dr. Steffen Raßloff vom Förderverein des Stadtmuseums:


[[Datei:Lutherkasten.jpg|380px|right]]Im Stadtmuseum „Haus zum Stockfisch“ in der Johannesstraße findet sich ein Exponat, das beim 500. Reformationsjubiläum 2017 dem Haus besondere Aufmerksamkeit bescheren könnte. Gut ausgeleuchtet in einer eigenen Vitrine im ersten Obergeschoss kann man einen Schreibkasten bewundern.  Hierin bewahrte man früher seine Schreibutensilen auf. Diese Kästen sind also eine Art Vorgänger unserer späteren Federmappen. Dort fanden sich neben Federn und Tinte solche unerlässlichen Hilfsmittel wie Spitzmesser, Siegel oder Wachs. Das Besondere: der Überlieferung zufolge soll dieser Schreibkasten Martin Luther gehört haben. Auch wenn die letzte wissenschaftliche Sicherheit noch fehlt, gibt es doch gute Gründe von der Authentizität des einstigen Besitzers auszugehen. Damit könnte das Erfurter Stadtmuseum neben der geplanten Bettelordens-Ausstellung ein wenig aus dem Schatten der großen Reformationsausstellungen andernorts heraustreten.


[[Datei:Lutherkasten.jpg|380px|right]]''Was ist an diesem Kasten so besonders?''
Woher aber weiß man überhaupt, dass der gut erhaltene Schreibkasten vermutlich Luther gehörte? Im Almanach des „evangelischen Jubeljahres“ 1817, also anlässlich des 300. Reformationsjubiläums, wird die Geschichte jenes Kastens seit dem Tode Luthers detailliert erzählt. Als Luther 1546 von Halle nach Eisleben reiste, um dort eine Streitigkeit der Grafen von Mansfeld beilegen zu helfen, hatte er Teile seines Reisegepäcks an der Saale zurück gelassen. Statt aber wie geplant bald zurück zu kehren, verstarb Luther am 18. Februar in Eisleben. Von den Erben nicht eingefordert, verblieb der Kasten in den Händen verschiedener Hallenser Familien. 1754 wurde er schließlich mit der Sammlung des Hofrates Büttner aus Weißenfels durch die damals in Erfurt ansässige Akademie Leopoldina angekauft und in der Lutherzelle des Augustinerklosters ausgestellt.


Dieses gut erhaltene Exemplar eines Schreibkastens soll der Überlieferung zufolge Martin Luther bei sich geführt haben.
Schließlich gelangte der Kasten ins Stadtmuseum. Er gehört dort seit 2012 zu den Exponaten der Ausstellung „Rebellion – Reformation – Revolution“. Die durchaus kontrovers aufgenommene Schau konfrontiert die Reformation, die Lutherstadt und das spätmittelalterliche Wissenschaftszentrum Erfurt mit aktuellen kritischen Fragen. Zu den historisch wertvollsten Exponaten der Schau zählen die Insignien der mit ihrem Gründungsprivileg von 1379 ältesten Universität im heutigen Deutschland. Und eben jener Schreibkasten, der zu den wenigen überlieferten Gegenständen aus Luthers persönlichem Besitz gehört. Man hat sogar mit Augenzwinkern von einer „Lutherreliquie“ gesprochen. Das haben nicht viele Museen zu bieten. Mit diesem historischen Pfund gilt es 2017 zu wuchern, wird doch die Erinnerung an den großen Reformator neben den authentischen Erinnerungsorten in unserer Stadt so buchstäblich greifbar.




''Woher weiß man das?''
Siehe auch: '''[[Geschichte der Stadt Erfurt]]''', '''[[Martin Luther|Luther und Erfurt]]''', '''[[Stadtmuseum Erfurt]]'''
 
Im Almanach des „evangelischen Jubeljahres“ 1817, also anlässlich des 300. Reformationsjubiläums, wird die Geschichte jenes Kastens seit dem Tode Luthers detailliert erzählt. Als Luther 1546 von Halle nach Eisleben reiste, um dort eine Streitigkeit der Grafen von Mansfeld beilegen zu helfen, hatte er Teile seines Reisegepäcks an der Saale zurück gelassen. Statt aber wie geplant bald zurück zu kehren, verstarb Luther am 18. Februar in Eisleben. Von den Erben nicht eingefordert, verblieb das Kästchen in den Händen verschiedener Hallenser Familien. 1754 wurde es schließlich mit der Sammlung des Hofrates Büttner aus Weißenfels durch die Akademie Leopoldina angekauft und in der ehemaligen Lutherzelle des Augustinerklosters in Erfurt ausgestellt. Heute gehört es zu den Höhepunkten in der neuen Ausstellung des Stadtmuseums „Rebellion – Reformation – Revolution“.
 
 
''Wozu dienten solche Kästen?''
 
Hier bewahrte man früher auf Reisen seine Schreibutensilen auf. Sie sind also so eine Art Vorgänger unserer späteren Federmappen. Hier fanden sich neben Schreibfedern und Tinte solche unerlässlichen Hilfsmittel wie Spitzmesser, Siegel oder Wachs.
 
 
Siehe auch: '''[[Geschichte der Stadt Erfurt]]''', '''[[Martin Luther|Luther und Erfurt]]'''

Version vom 21. November 2015, 07:59 Uhr

500. Reformationsjubiläum 2017

Beitrag der TA-Serie 500. Reformationsjubiläum 2017 von Dr. Steffen Raßloff (21.11.2015)


Eine „Lutherreliquie“

Auf dem Weg zu LUTHER 2017 (7): Luthers Schreibkasten im Stadtmuseum könnte 2017 ins Rampenlicht rücken.


Lutherkasten.jpg

Im Stadtmuseum „Haus zum Stockfisch“ in der Johannesstraße findet sich ein Exponat, das beim 500. Reformationsjubiläum 2017 dem Haus besondere Aufmerksamkeit bescheren könnte. Gut ausgeleuchtet in einer eigenen Vitrine im ersten Obergeschoss kann man einen Schreibkasten bewundern. Hierin bewahrte man früher seine Schreibutensilen auf. Diese Kästen sind also eine Art Vorgänger unserer späteren Federmappen. Dort fanden sich neben Federn und Tinte solche unerlässlichen Hilfsmittel wie Spitzmesser, Siegel oder Wachs. Das Besondere: der Überlieferung zufolge soll dieser Schreibkasten Martin Luther gehört haben. Auch wenn die letzte wissenschaftliche Sicherheit noch fehlt, gibt es doch gute Gründe von der Authentizität des einstigen Besitzers auszugehen. Damit könnte das Erfurter Stadtmuseum neben der geplanten Bettelordens-Ausstellung ein wenig aus dem Schatten der großen Reformationsausstellungen andernorts heraustreten.

Woher aber weiß man überhaupt, dass der gut erhaltene Schreibkasten vermutlich Luther gehörte? Im Almanach des „evangelischen Jubeljahres“ 1817, also anlässlich des 300. Reformationsjubiläums, wird die Geschichte jenes Kastens seit dem Tode Luthers detailliert erzählt. Als Luther 1546 von Halle nach Eisleben reiste, um dort eine Streitigkeit der Grafen von Mansfeld beilegen zu helfen, hatte er Teile seines Reisegepäcks an der Saale zurück gelassen. Statt aber wie geplant bald zurück zu kehren, verstarb Luther am 18. Februar in Eisleben. Von den Erben nicht eingefordert, verblieb der Kasten in den Händen verschiedener Hallenser Familien. 1754 wurde er schließlich mit der Sammlung des Hofrates Büttner aus Weißenfels durch die damals in Erfurt ansässige Akademie Leopoldina angekauft und in der Lutherzelle des Augustinerklosters ausgestellt.

Schließlich gelangte der Kasten ins Stadtmuseum. Er gehört dort seit 2012 zu den Exponaten der Ausstellung „Rebellion – Reformation – Revolution“. Die durchaus kontrovers aufgenommene Schau konfrontiert die Reformation, die Lutherstadt und das spätmittelalterliche Wissenschaftszentrum Erfurt mit aktuellen kritischen Fragen. Zu den historisch wertvollsten Exponaten der Schau zählen die Insignien der mit ihrem Gründungsprivileg von 1379 ältesten Universität im heutigen Deutschland. Und eben jener Schreibkasten, der zu den wenigen überlieferten Gegenständen aus Luthers persönlichem Besitz gehört. Man hat sogar mit Augenzwinkern von einer „Lutherreliquie“ gesprochen. Das haben nicht viele Museen zu bieten. Mit diesem historischen Pfund gilt es 2017 zu wuchern, wird doch die Erinnerung an den großen Reformator neben den authentischen Erinnerungsorten in unserer Stadt so buchstäblich greifbar.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Luther und Erfurt, Stadtmuseum Erfurt