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Version vom 10. Januar 2019, 08:35 Uhr

Fürstenhügel von Leubingen

Der Fürstenhügel von Leubingen gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der Bronzezeit in Thüringen. Auf 1940 v. Chr. datiert, wurde er als Grabstätte eines mächtigen Fürsten errichtet. Heute verfügt er sogar über eine eigene Autobahnraststätte.


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Die Autobahn 71 von Erfurt nach Sangerhausen wurde 2013 als eines der letzten großen Verkehrsprojekte im vereinten Deutschland fertiggestellt. Die moderne Trasse tangiert eines der ältesten historischen Highlights in Thüringen, das 4000 Jahre vor den Autobahnbau zurückgeht. Es ist das einzige, dem sogar eine eigene Autobahnraststätte gewidmet ist: der Leubinger Fürstenhügel aus der Bronzezeit.

Noch über Jahrtausende hatten die Nachfahren der Waldelefanten-Jäger von Bilzingsleben als umherziehende Jäger und Sammler gelebt. Der bahnbrechende Schritt zum Ackerbauern und Viehzüchter vollzog sich erst in der Jungsteinzeit, menschheitsgeschichtlich nur ein Wimpernschlag zurück. Jene „neolithische Revolution“ begann im 9. Jahrtausend v. Chr. in Kleinasien. Um 5500 v. Chr. tauchen die ersten sesshaften Bauern in Thüringen auf, besonders im fruchtbaren Thüringer Becken und im Altenburger Land.

So richtig startete die Zivilisation dann mit dem Metallzeitalter durch. Den Anfang machte die Bronzezeit seit der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. Aus dem schon länger bekannten Kupfer gewann man durch die Legierung mit Zinn das härtere Metall Bronze. Damit wurde die Effektivität von Werkzeugen und Waffen erheblich erhöht. Mit der Herstellung und Nutzung von Metall beschleunigte sich die kulturelle Entwicklung und soziale Differenzierung.

Hiervon zeugt auch besagter Grabhügel bei Leubingen, der mit 8,50 m Höhe und 34 m Durchmesser als der größte in Thüringen gilt. Der Grabhügel, datiert auf 1940 v. Chr., war reich mit Beigaben aus Bronze und Gold versehen. Hier ruhte vermutlich ein Fürst, der über große Teile des Thüringer Beckens geherrscht haben könnte.

Beinahe freilich wäre der Hügel wie viele andere im 19. Jahrhundert der modernen Landwirtschaft zum Opfer gefallen. Dank Professor Friedrich Klopfleisch von der Universität Jena blieb er jedoch erhalten und wurde 1877 mit einer Grabung sein Geheimnis gelüftet. Unter mehreren Schichten, zuletzt einer massiven 2 m starken Steinschicht, lag die kunstvoll gefertigte Totenhütte des Fürsten.

Allerdings ist Klopfleisch nicht unumstritten. So wird die von ihm dokumentierte Fundsituation heute in Teilen in Zweifel gezogen. Das Quer über den Überresten des Fürsten gelegene Skelett eines Kindes, ein mutmaßliches Menschenopfer, soll eine nachträgliche Erfindung des Jenaer Professors sein. Die Klärung dieser Frage wird nicht einfach, da die originalen Skelette nicht erhalten sind. Wie sich die Gelehrten auch immer einigen mögen, die große historische Bedeutung des Leubinger Fürstenhügels steht außer Frage.

Das zeigt sich auch im Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar. Dort präsentiert man viele der hochkarätigen Fundstücke und hat das Fürstengrab rekonstruiert. Aber auch das Heimatmuseum Leubingen widmet sich dem herausragenden Fundort der Bronzezeit, der den knapp 1000 Einwohner zählenden Ortsteil Sömmerdas weithin bekannt gemacht hat. Der Hügel selbst ist frei zugänglich und dank der A 71 bestens erreichbar. Er soll mit der gestalterisch ambitionierten Raststätte „Leubinger Fürstenhügel“ sogar noch deutlich aufgewertet werden. (Foto: Alexander Raßloff)


Steffen Raßloff: Ein fürstliches Grab. Der bronzezeitliche Fürstenhügel von Leubingen. In: Thüringen. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2018. S. 10 f.


Siehe auch: Geschichte Thüringens