Bismarckdenkmal Anger Erfurt: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:BismarckAnger33.JPG|320px|right]]Denkt man an Bismarck und Denkmale, dann fallen einem wohl zuerst die zahlreichen imposanten Bismarcktürme ein. Einer von ihnen steht seit 1901 im Erfurter Steiger, worauf in dieser Serie bereits hingewiesen wurde. Neben diesem vielerorts anzutreffenden Element der kaiserzeitlichen Erinnerungskultur gibt es in Erfurt aber auch ein Denkmal, das auf spezielle Verknüpfungen der Bismarck-Biographie mit Erfurt hinweist. Otto von Bismarck (1815-1898) gilt gemeinhin als der „Reichsgründer“ von 1871, als „Eiserner Kanzler“. Weniger bekannt ist der Weg des jungen preußischen Landadeligen ins Zentrum der Macht. Eine der Stationen auf diesem Weg liegt hier in Erfurt.   
Denkt man an Bismarck und Denkmale, dann fallen einem wohl zuerst die zahlreichen imposanten Bismarcktürme ein. Einer von ihnen steht seit 1901 im Erfurter Steiger, worauf in dieser Serie bereits hingewiesen wurde. Neben diesem vielerorts anzutreffenden Element der kaiserzeitlichen Erinnerungskultur gibt es in Erfurt aber auch ein Denkmal, das auf spezielle Verknüpfungen der Bismarck-Biographie mit Erfurt hinweist. Otto von Bismarck (1815-1898) gilt gemeinhin als der „Reichsgründer“ von 1871, als „Eiserner Kanzler“. Weniger bekannt ist der Weg des jungen preußischen Landadeligen ins Zentrum der Macht. Eine der Stationen auf diesem Weg liegt hier in Erfurt.   


Der konservative Nachwuchspolitiker hatte in der Revolution 1848/49 erstmals von sich reden gemacht. Im März 1850 schickte man ihn daraufhin als Abgeordneten zum Erfurter Unionsparlament. Dieses in der Augustinerkirche tagende Parlament sollte nach der gescheiterten Revolution die Verfassung für einen preußisch-kleindeutschen Nationalstaat ausarbeiten. Gemäßigte Liberale und preußischer König hatten sich auf diesen Kompromiss geeinigt. Das Vorhaben scheiterte schnell, wobei Bismarck von vornherein sein Desinteresse an der Parlamentsarbeit deutlich zu erkennen gab. Lieber spazierte er durch den Steiger oder genoss deftige Erfurter Speisen und Felsenkellerbier, wovon er noch in seinen Erinnerungen Jahrzehnte später schwärmte. Immerhin sprach er auch davon, sich in Erfurt seine „diplomatischen Sporen verdient“ zu haben.
Der konservative Nachwuchspolitiker hatte in der Revolution 1848/49 erstmals von sich reden gemacht. Im März 1850 schickte man ihn daraufhin als Abgeordneten zum Erfurter Unionsparlament. Dieses in der Augustinerkirche tagende Parlament sollte nach der gescheiterten Revolution die Verfassung für einen preußisch-kleindeutschen Nationalstaat ausarbeiten. Gemäßigte Liberale und preußischer König hatten sich auf diesen Kompromiss geeinigt. Das Vorhaben scheiterte schnell, wobei Bismarck von vornherein sein Desinteresse an der Parlamentsarbeit deutlich zu erkennen gab. Lieber spazierte er durch den Steiger oder genoss deftige Erfurter Speisen und Felsenkellerbier, wovon er noch in seinen Erinnerungen Jahrzehnte später schwärmte. Immerhin sprach er auch davon, sich in Erfurt seine „diplomatischen Sporen verdient“ zu haben.
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Steffen Raßloff: '''Bismarcks diplomatische Sporen. Das Erfurter Unionsparlament 1850.''' In: '''[[Erfurt 55 Highlights aus der Geschichte|Erfurt. 55 Highlights aus der Geschichte]].''' Erfurt 2021. S. 72 f.
Steffen Raßloff: '''Bismarcks diplomatische Sporen. Das Erfurter Unionsparlament 1850.''' In: '''[[Erfurt 55 Highlights aus der Geschichte|Erfurt. 55 Highlights aus der Geschichte]].''' Erfurt 2021. S. 72 f.


Steffen Raßloff: '''Bismarck und Erfurt. Vom konservativen Unionsparlamentarier zur nationalen Symbolfigur.''' In: Greiling, Werner/Hans, Hans-Werner: Bismarck in Thüringen. Politik und Erinnerungskultur in kleinstaatlicher Perspektive. Weimar/Jena 2003. S. 115-133.
Steffen Raßloff: '''Bismarck und Erfurt. Vom konservativen Unionsparlamentarier zur nationalen Symbolfigur.''' In: Werner Greiling/Hans-Werner Hahn: Bismarck in Thüringen. Politik und Erinnerungskultur in kleinstaatlicher Perspektive. Weimar/Jena 2003. S. 115-133.




Siehe auch: '''[[Geschichte der Stadt Erfurt]]''',  '''[[Flucht in die nationale Volksgemeinschaft|Erfurter Bürgertum]]''',  '''[[Bismarck|Bismarck und Erfurt]]''', '''[[Bismarckturm Erfurt|Bismarckturm]]'''
Siehe auch: '''[[Geschichte der Stadt Erfurt]]''',  '''[[Erfurter Unionsparlament 1850]]''', '''[[Flucht in die nationale Volksgemeinschaft|Erfurter Bürgertum]]''',  '''[[Bismarck|Bismarck und Erfurt]]''', '''[[Bismarckturm Erfurt|Bismarckturm]]'''

Aktuelle Version vom 5. Juni 2024, 10:21 Uhr

Bismarckdenkmal am Anger

BismarckAnger33.JPG

Beitrag der Serie Denkmale in Erfurt aus der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (11.02.2012)


Diplomatische Sporen

DENKMALE IN ERFURT (32): Der „Eiserne Kanzler“ Otto von Bismarck nahm als junger Abgeordneter 1850 am Erfurter Unionsparlament teil. Hierauf verweist ein Denkmal am Anger 33.


Denkt man an Bismarck und Denkmale, dann fallen einem wohl zuerst die zahlreichen imposanten Bismarcktürme ein. Einer von ihnen steht seit 1901 im Erfurter Steiger, worauf in dieser Serie bereits hingewiesen wurde. Neben diesem vielerorts anzutreffenden Element der kaiserzeitlichen Erinnerungskultur gibt es in Erfurt aber auch ein Denkmal, das auf spezielle Verknüpfungen der Bismarck-Biographie mit Erfurt hinweist. Otto von Bismarck (1815-1898) gilt gemeinhin als der „Reichsgründer“ von 1871, als „Eiserner Kanzler“. Weniger bekannt ist der Weg des jungen preußischen Landadeligen ins Zentrum der Macht. Eine der Stationen auf diesem Weg liegt hier in Erfurt.

Der konservative Nachwuchspolitiker hatte in der Revolution 1848/49 erstmals von sich reden gemacht. Im März 1850 schickte man ihn daraufhin als Abgeordneten zum Erfurter Unionsparlament. Dieses in der Augustinerkirche tagende Parlament sollte nach der gescheiterten Revolution die Verfassung für einen preußisch-kleindeutschen Nationalstaat ausarbeiten. Gemäßigte Liberale und preußischer König hatten sich auf diesen Kompromiss geeinigt. Das Vorhaben scheiterte schnell, wobei Bismarck von vornherein sein Desinteresse an der Parlamentsarbeit deutlich zu erkennen gab. Lieber spazierte er durch den Steiger oder genoss deftige Erfurter Speisen und Felsenkellerbier, wovon er noch in seinen Erinnerungen Jahrzehnte später schwärmte. Immerhin sprach er auch davon, sich in Erfurt seine „diplomatischen Sporen verdient“ zu haben.

Für die preußisch-national gesinnten Erfurter sollte diese Episode von Bedeutung bleiben. Zum 50. Jubiläum im Jahre 1900 verwies der Erfurter Allgemeine Anzeiger darauf, dass „für den Lokalpatrioten der 20. März 1850 ein Gedenktag von mehr als lokaler Bedeutung“ sei. Aber er fügte hinzu, das Bedeutsame sei gewesen, „daß der nachmalige Einiger des Deutschen Reiches in unserer Stadt weilte“. Ganz in diesem Sinne verzierte 1904 Stadtrat Rudolf Walther den Neubau von Bismarcks einstiger Unterkunft am Anger 33. In einer Nische auf Höhe des ersten Obergeschosses wurde am 1. April 1904, Bismarcks 89. Geburtstag, eine überlebensgroße Bronzestatue aufgestellt. Sie stellte bezeichnender Weise den Kanzler in Uniform und nicht den jungen Parlamentarier dar. Darüber prangte das Bismarck-Zitat: „Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt!“ 1948 wurde die Entfernung der Statue von einer Kommission zur „Liquidierung deutscher militaristischer und nazistischer Denkmale“ verfügt. 2004 konnte auf Initiative des Bismarckturmvereins eine neue Bismarckstatue von Christian Paschold am „Bismarckhaus“ aufgestellt werden. (Foto: Dr. Steffen Raßloff)


Lesetipps:

Steffen Raßloff: Bismarcks diplomatische Sporen. Das Erfurter Unionsparlament 1850. In: Erfurt. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2021. S. 72 f.

Steffen Raßloff: Bismarck und Erfurt. Vom konservativen Unionsparlamentarier zur nationalen Symbolfigur. In: Werner Greiling/Hans-Werner Hahn: Bismarck in Thüringen. Politik und Erinnerungskultur in kleinstaatlicher Perspektive. Weimar/Jena 2003. S. 115-133.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Erfurter Unionsparlament 1850, Erfurter Bürgertum, Bismarck und Erfurt, Bismarckturm