Welterbe Weimar

Welterbe Weimar

Weimar ist mit der Weimarer Klassik der Goethezeit und dem Bauhaus ein nationaler Erinnerungsort und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.


WeimarGSD.jpg

Die „Weimarer Klassik“ gilt als das „Goldene Zeitalter“ in Weimar. Unter Herzogin Anna Amalia (1756-1775) und ihrem Sohn Carl August (1775-1828) zog es zahlreiche Geistesgrößen wie Johann Wolfgang Goethe, Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller in die kleine Residenzstadt. „Ilm-Athen“ stieg zu einem Zentrum deutscher und europäischer Kultur auf, dessen Traditionspflege im heutigen Freistaat Thüringen ein zentrales Element der Kulturpolitik bildet. Seit 1998 stehen elf herausragende Erinnerungsorte der Klassik Stiftung Weimar auf der UNESCO-Welterbeliste.

An Anna Amalia erinnern die Schauplätze ihres „Musenhofes“ wie Schloss Ettersburg und die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek. Die „Goethezeit“ datiert von der Ankunft des Dichters in Weimar 1775 bis zu dessen Tod 1832. Carl August zog den Autor des „Götz von Berlichingen“ und „Die Leiden des jungen Werthers“ aus Frankfurt an seine Residenz. Das Gartenhaus im Ilmpark und das Wohnhaus am Frauenplan waren Geschenke des Herzogs. Schiller zog 1799 nach Weimar. Zuvor hatte er Geschichte an der Universität Jena gelehrt. Goethes Freund Herder war bereits 1776 als Hofprediger nach Weimar geholt worden. Hieran erinnert die Herderkirche, die zugleich ein Schlaglicht auf die Reformationszeit wirft. Mit dem Cranach-Altar findet sich dort eine der bedeutendsten Darstellungen der lutherischen Theologie.

Großherzog Carl Alexander (1853-1901) bescherte Weimar noch ein „Silbernes Zeitalter“ mit dem Wirken Franz Liszts und dem Wiederaufbau der Wartburg. Nach dem Tode des letzten Goethe-Nachkommens 1885 wurden mit Goethe-Gesellschaft, Goethe-Nationalmuseum und Goethe- und Schiller-Archiv wesentliche Grundlagen für die Erbepflege gelegt. Den Geistesgrößen setzte man Denkmale, allen voran Goethe und Schiller das Doppelstandbild von Ernst Rietschel (Foto: Alexander Raßloff).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Bemühungen um ein „Neues Weimar“, die besonders mit Henry van de Velde verbunden sind. 1919 wurde das Staatliche Bauhaus Weimar gegründet, an dessen Spitze der Architekt Walter Gropius trat. Sein Sitz war der „Van-de-Velde-Bau“ (1911), heute Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar. Es gehört zusammen mit einem weiteren Lehrgebäude und dem 1923 errichteten „Haus am Horn“ seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Bauhaus gilt als einer der wichtigsten Impulsgeber der klassischen Moderne in Architektur, Kunst und Design. Zu seinen Grundideen zählte die Harmonisierung von Kunst und Handwerk sowie eine klare, funktionale Formensprache. Seine großen Namen wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer und László Moholy-Nagy besitzen nach wie vor einen guten Klang.

(Dr. Steffen Raßloff)


Lesetipp:

Steffen Raßloff: Geschichte der Stadt Weimar. Erfurt 2018.


Siehe auch: Weimarer Klassik, Bauhaus Weimar, Geschichte Thüringens