Constantin Beyer

Constantin Beyer

Constantin Beyer (1761-1829), Tagebuchschreiber und Chronist, dem Erfurt tiefe Einblicke ins 18. und 19. Jahrhundert verdankt


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Tagebücher enthalten meist persönliche, subjektive Erlebnisse und Gefühle. Sie können aber auch über den Autor hinaus vergangene Zeitalter wieder lebendig werden lassen. Dies ist besonders dem Tagebuchschreiber und Chronisten Constantin Beyer gelungen.

Ein Tagebuch vermittelt frische Eindrücke aus dem Leben eines Menschen. Dort werden Erlebnisse, aber auch Stimmungen und Gefühle festgehalten, um die Gegenwart für die eigene Zukunft zu bewahren. Der Verfasser schreibt meist täglich seine Erlebnisse unter dem unmittelbaren Eindruck der Situation nieder. Das Tagebuch hält private Ereignisse fest und wird für gewöhnlich nicht zur Veröffentlichung geschrieben.

Dem mit der Wiederentdeckung der menschlichen Individualität in der Renaissance aufkommenden Brauch des Tagebuchschreibens verdanken wir aber auch tiefe Einblicke in vergangene Zeiten weit über Einzelschicksale hinaus. Besonders das bürgerliche Zeitalter des 18. bis 20. Jahrhunderts hat zahllose Tagebücher hervor gebracht. In Archiven oder Nachlässen schlummern noch immer wahre Schätze, die es zu heben gilt. Bisweilen ist dabei der Übergang vom rein persönlichen Tagebuch zur Autobiographie oder Chronik zudem fließend oder nutzte der Autor später das Tagebuch als wichtige Erinnerungshilfe.

So verdanken wir einem akribischen Tagebuchschreiber eine der detailliertesten und lebendigsten Chroniken der Stadt Erfurt. 1821 erschien aus der Feder des Juristen, Buchhändlers und einstigen Stadtrates Constantin Beyer (1761-1829) ein 600-seitiges Buch unter dem Titel “Neue Chronik von Erfurt oder Erzählung alles dessen, was sich vom Jahr 1736 bis zum Jahr 1815 in Erfurt Denkwürdiges ereignete”. 1823 folgte noch ein etwas schmalerer Band mit Nachträgen.

Ungeachtet mancher kleinerer Fehler verdankt sich diese dichte und authentische Chronik jahrzehntelang von Beyer akkurat geführten Tagebüchern. In ihnen finden große Ereignisse und Persönlichkeiten ebenso ihren Niederschlag wie das ganz Alltägliche. Von Statthalter Dalberg und seinen Assembleen ist die Rede, von Goethes Besuchen in Erfurt, von Napoleon und seinem Erfurter Fürstenkongress 1808, aber auch immer wieder von den Tücken und Freuden des Alltags, von marodierenden Soldaten, Hungersnöten, Bränden, Überschwemmungen, Tanzvergnügen im Kaisersaal oder Sonntagsspaziergängen.

Während die beiden Chronik-Bände seit 2002 als Reprint wieder allgemein zugänglich sind, harren die zahlreichen Tagebücher Beyers im Stadtarchiv noch immer einer wissenschaftlichen Bearbeitung und Veröffentlichung. Im übrigen war Beyer mit dem Maler Nikolaus Dornheim befreundet. Während Beyer das Erfurt des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts ausführlich im Wort dokumentiert hat, verdanken wir seinem Freund Dornheim zahlreiche Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus dieser Zeit. Viele von ihnen befinden sich heute im Besitz des Angermuseums.

(Dr. Steffen Raßloff)


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Belagerung 1813, Literatur und Chroniken zur Stadtgeschichte