750 Jahre Augustinerkloster

750 Jahre Augustinerkloster

Weltbekanntes Kloster

Serie Historisches 2016: Vor 750 Jahren ließen sich erstmals die Augustiner-Eremiten in Erfurt nieder.


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Es war ein schwieriger Start. 1266 kamen erstmals mit Erlaubnis des Mainzer Erzbischofs Augustinereremiten-Mönche nach Erfurt, mussten aber nach Reibereien mit der Bürgerschaft die Stadt rasch wieder verlassen. 1276 kehrten sie jedoch zurück und sollten fortan bleiben. Die Bettelmönche bauten ein vorbildhaftes Klosterensemble auf, das bis heute in seiner Struktur mit vielen originalen Bauteilen und Kulturschätzen erhalten geblieben ist. Von den Klöstern der beiden anderen großen Bettelorden der Dominikaner (Prediger) und Franziskaner (Barfüßer) ist dagegen bis auf die jeweilige Kirche bzw. deren Ruine der größte Teil verschwunden. Auch dem Kulturleben der Stadt verliehen die Augustiner etwa mit ihrem Klosterstudium als Teil der 1379 gegründeten Universität wichtige Impulse.

Weltbekanntheit erlangte das Kloster aber ausgerechnet durch jenen Mönch, der letztlich für seine Auflösung sorgte. Martin Luther rang hier von 1501 bis 1511 um die Grundeinsichten der Reformation, die anschließend in Wittenberg zum Durchbruch gelangen sollten. Nach Aufhebung des Klosters im Zuge der Reformation und diversen Nutzungen nahm im Lutherjahr 1983 die heutige Tagungs- und Begegnungsstätte ihren Betrieb auf. In den letzten Jahren hat man den Komplex umfassend saniert und mit moderner Architektur die Lücken der Kriegszerstörungen gefüllt. Das 500. Reformationsjubiläum im kommenden Jahr könnte sogar die Aufnahme auf die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste bringen.

Die wahrhaft welthistorische Lutherstätte ist also bestens vorbereitet – ebenso wie das Collegium maius und die Georgenburse gleich um die Ecke. Es ist viel beklagt worden, dass die Stadt Erfurt in merkwürdigem Kontrast zu dieser strahlkräftigen Erinnerungslandschaft das Reformationsjubiläum 2017 nicht mit einem angemessenen Programm begehen wird. Davon, die Lutherstadt „national und international dauerhaft nachhaltig etablieren“ zu wollen, wie es noch im Kulturkonzept von 2013 heißt, kann jedenfalls nicht mehr die Rede sein.

Eines der wenigen etwas komplexeren Projekte soll eine Ausstellung im Stadtmuseum „Haus zum Stockfisch“ zu den Erfurter Bettelorden werden, denen der Augustinermönch Luther angehörte. Dabei möchte man unter anderem auch das nunmehr auf 750 Jahre Geschichte zurückblickende Augustinerkloster als authentischen Ort einbeziehen. Freilich steht dieses Vorhaben unter dem Vorbehalt des kommenden Haushalts, da die Stadt keine langfristigen strategischen Planungen für das bedeutsame Jubiläum angestellt hat. So bleibt nur den Akteuren des Museums und ihren Partnern die Daumen zu drücken, dass sie in der Kürze der Zeit das Ausstellungsprojekt noch umsetzen können. (Foto: "Lutherpforte" am Augustinerkloster, Alexander Raßloff)

(Dr. Steffen Raßloff in Thüringer Allgemeine vom 20.02.2016)


Siehe auch: Augustinerkloster Erfurt, Lutherstadt Erfurt, Reformationsjubiläum 2017