Städtebau Weimarer Republik

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Städtebau in der Weimarer Republik

Beitrag der Serie Bauhausjubiläum 2009 der Thüringer Allgemeine von Dr. Steffen Raßloff (13.12.2008)


Stadion, Nordpark und mehr

Bauhausjubiläum 2009 (4): Der Städtebau der Weimarer Republik hat Erfurt nachhaltig geprägt


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Auch wenn das rasante Wachstum der Kaiserzeit nicht wieder erreicht wurde, hat die Zeit der Weimarer Republik der Erfurter Stadtentwicklung doch nachhaltige Impulse verliehen. Unter den großen Projekten ragen das Stadion und der Nordpark mit dem Nordbad heraus.

Mit der Erholung der Wirtschaft in den “Goldenen Zwanzigern” nahm auch die städtebauliche Entwicklung in Erfurt einen deutlichen Aufschwung. Die Zahl der errichteten Gebäude stieg 1925 sprunghaft an. Um Defizite der Gründerzeit auszugleichen, galt es, „eine gesunde, organisch gegliederte und aufgelockerte Stadt“ zu schaffen. Betraut war hiermit das neue Stadtplanungsamt unter Stadtbaurat Ludwig Boegl. Hinzu kam der Anspruch, als thüringische Metropole sowie Fremdenverkehrs- und Kongressstadt stärker an Profil zu gewinnen. Die Aufbruchstimmung jener Zeit spricht aus der Publikation Boegls „Deutschlands Städtebau – Erfurt“ aus dem Jahre 1927.

Jetzt wurden ehrgeizige Projekte erarbeitet, aus denen der Stadion-Komplex im Löberfeld herausragte. Das großzügig angelegte, parkähnliche Areal bezog den Südfriedhof mit ein, die Arnstädter Straße wurde breit mit Radwegen und Baumreihen gestaltet sowie die Straßenbahn erstmals auf eigenem Gleisbett verlegt. 1929 entstand der Beethovenplatz mit der neuen Oberpostdirektion. Am 17. Mai 1931 wurde vor 15.000 Zuschauern feierlich die Mitteldeutsche Kampfbahn, das heutige Steigerwaldstadion, eingeweiht. Es ist bis heute das Herzstück der Erfurter Sportstätten und sorgt mit den Umbauplänen zur modernen Fußballarena gerade für Schlagzeilen. Aber auch Norden und Osten sollten als Wohngebiete mit viel Grün aufgewertet werden. Heraus ragte hier die Fertigstellung des Nordparks mit dem Nordbad (Foto: Michael Sander).

Die Stadterweiterung erfolgte jetzt weitgehend konzentrisch. Dem Wohnungsmangel seit dem Ersten Weltkrieg sollte mit zwei sozialreformerischen Rezepten beigekommen werden. Zum einen errichtete man Eigenheim-Siedlungen an der Peripherie: Gartenstadt, Peterborn, Tiergarten, Grenzweg, Landgrafenstraße, Sulzer Siedlung. Auch das Schrebergartenwesen nahm einen Aufschwung. 1927 gab es in Erfurt 3266 Kleingärten in 89 Vereinen. Das andere Konzept sah innerstädtischen Wohnungsbau im Stile des „neuen Bauens“ vor. Beeindruckendes Zeugnis modernen sozialen Wohnungsbaus der Weimarer Zeit sind die neuen Quartiere des Hanseviertels.

Weiterhin zeichneten sich die Goldenen Zwanziger durch eine dynamische Verkehrsentwicklung aus. 1930 waren in Erfurt bereits 3822 Kraftfahrzeuge gemeldet, auf 36 Einwohner entfiel ein Fahrzeug. Damit hatte Erfurt selbst Berlin (1:40) überflügelt. 1931 wurde es Knotenpunkt der neuen Reichsfernstraßen 4 und 7. Auch die seit 1921 kommunale Straßenbahn erweiterte Fuhrpark und Streckennetz, errichtete 1930 in der Nordhäuser Straße ein zweites Depot. Seit 1929 verkehrten die jetzt nummerierten Linien 1 (Erfurt Nord - Hochheimer Straße), 2 (Steigerstraße - Gothaer Straße), 3 (Krankenhaus - Schützenhaus) und 4 (Blücherstraße - Melchendorfer Straße). Neue Buslinien vergrößerten das Einzugsgebiet des öffentlichen Verkehrs. Schließlich stellte der 10. Mai 1925 mit der Einweihung des Flugplatzes am Roten Berg laut Presse „den seit Jahrzehnten wichtigsten Tag“ für die Erfurter Verkehrsentwicklung dar.


Siehe auch: Erfurt in der Weimarer Republik, Nordpark, Nordbad, Stadion, Bauhaus, Jacobsenviertel