Revolution 1848 Erfurt

Revolution 1848

In der Revolution von 1848/49 forderte die Nationalbewegung „Einigkeit und Recht und Freiheit“ für das deutsche Vaterland. Im preußischen Erfurt kam es dabei am 24. November 1848 zu blutigen Kämpfen auf dem Anger.


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Mit der Revolution von 1848/49 erreichte die deutsche Nationalbewegung ihren Höhepunkt. Die Fürsten des losen Deutschen Bundes von 1815 sahen sich im Frühjahr 1848 mit den „Märzforderungen“ von Presse- und Versammlungsfreiheit bis hin zur Ablösung feudaler Relikte konfrontiert. In der seit dem 18. Mai 1848 tagenden Frankfurter Nationalversammlung sollte die Verfassung für einen deutschen Nationalstaat ausgearbeitet werden. Die liberale Mehrheit strebte auf dem Weg zu „Einigkeit und Recht und Freiheit“, wie es August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 in seinem „Lied der Deutschen“ formuliert hatte, einen Kompromiss mit den Monarchen an. Es gewannen aber auch Vertreter der demokratisch-republikanischen Richtung an Einfluss, darunter die Erfurter Goswin Krackrügge und Hermann Alexander Berlepsch.

Im preußischen Erfurt standen sich seit März 1848 in wachsender Polarisierung Befürworter der Revolution und königstreue Kräfte gegenüber. Letztere fanden an den oft aus anderen Provinzen stammenden Offizieren, Beamten und Vertretern der bürgerlichen Oberschicht Rückhalt. Hinter den Zielen der Revolution standen Vereinigungen wie der Bürgerhilfsverein und der Demokratische Verein um Krackrügge und Berlepsch. Politische Forderungen verbanden sich mit Demonstrationen etwa für niedrigere Bierpreise. Dabei kam es am 14. März zu ersten Krawallen und blutigen Zusammenstößen mit preußischen Soldaten.

Im Herbst 1848 kam es erneut zu einer Zuspitzung mit Aufruhr auch in zahlreichen Gebieten Thüringens. In Erfurt brach am 24. November 1848 ein Aufstand aus, angefacht vom Demokratischen Verein. Auslöser war die Einberufung von Landwehrmännern in die Armee, wozu laut Berlepsch nur die preußische Nationalversammlung ein Recht habe. Bei Kämpfen zwischen Bürgern und preußischen Soldaten auf dem Anger und in der Auguststraße (Bahnhofstraße) kamen 13 Zivilisten und sieben Soldaten ums Leben (Abb. Stadtmuseum Erfurt). Rund 250 Revolutionäre wurden auf dem Petersberg inhaftiert. Es kam zu langjährigen Haftstrafen und zur Hinrichtung von sieben Landwehrmännern. Die Revolution fand schließlich mit der Ablehnung der Reichsverfassung und der Kaiserkrone durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. im April 1849 ein erfolgloses Ende.

Im 1871 durch die preußische Militärmacht mit „Eisen und Blut“ geschmiedeten Nationalstaat geriet die Revolution in den Hintergrund. Hundert Jahre nach den dramatischen Ereignissen erinnerte man sich dann wieder der „Achtundvierziger“. In der Sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, war die Umwandlung in eine „Volksdemokratie“ unter Regie der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands in vollem Gange. Gegenüber den anderen politischen Kräften, besonders den Liberalen und Christdemokraten, machte die SED noch Zugeständnisse. So wurden etwa die klassischen bürgerlichen Freiheitsrechte wenig später in die erste DDR-Verfassung aufgenommen.

Genau in diesen Kontext fiel das Erinnerungsjahr 1948. Es war geprägt vom Kompromiss zwischen Kommunisten und Bürgerlichen. Das gilt auch für die Landesausstellung „1848“ im Angermuseum. Während die kommunistische Zeitung „Thüringer Volk“ die „revolutionäre Welle“ beschwor, die bis in die Gegenwart nachwirke, betonte die liberale Thüringische Landeszeitung „Freiheit, Einheit und Demokratie“ als Ziele der Revolution. Auch die am 24. November 1948 feierlich enthüllt Gedenktafel am Angermuseum spiegelt diesen Zeitgeist und erinnert an die Kämpfe „für Freiheit und Einheit Deutschlands“.

Steffen Raßloff: Für Freiheit und Einheit. Die Revolution 1848. In: Erfurt. 55 Highlights aus der Geschichte. Erfurt 2021. S. 70 f.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt, Gedenktafel am Angermuseum, Hermann Alexander Berlepsch