Nettelbeckufer: Unterschied zwischen den Versionen

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Seit 2020 fordert die Bewegung Decolonize Erfurt eine Umbenennung der Straße wegen Nettelbecks Tätigkeit auf niederländischen Sklavenschiffen, seinen Vorschlägen zum preußischen Kolonialerwerb und der Stlisierung zum "Volkshelden", gipfelnd im '''[[Das Dritte Reich|Dritten Reich]]'''. An seine Stelle soll der farbige Erfurter Gert Schramm (1928-2016) treten, der als Kind im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war.
 
Seit 2020 fordert die Bewegung Decolonize Erfurt eine Umbenennung der Straße wegen Nettelbecks Tätigkeit auf niederländischen Sklavenschiffen, seinen Vorschlägen zum preußischen Kolonialerwerb und der Stlisierung zum "Volkshelden", gipfelnd im '''[[Das Dritte Reich|Dritten Reich]]'''. An seine Stelle soll der farbige Erfurter Gert Schramm (1928-2016) treten, der als Kind im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war.
  
Andere Stimmen machen darauf aufmerksam, dass der Erfurter Stadtrat seit den frühen 1990er-Jahren keine Umbenennungen aus historisch-politischen Gründen mehr vorgenommen hat. Das Nettelbeckufer wäre damit ein Präzedenzfall, der auch die kritische Betrachtung weiterer Straßennamen, etwa der '''[[Thaelmannstrasse|Thälmannstraße]]''' und der '''[[Rosa-Luxemburg-Straße]]''' aus der DDR-Zeit, nach sich ziehen würde. Auch ihnen wird man kaum "Vorbildfunktion" für unsere heutige Gesellschaft zumessen können, wie Decolonize für das Nettelbeckufer moniert. Das wirft letztlich für den hierüber entscheidenden Stadtrat die Frage auf, ob man wirklich mehrere Straßennamen ändern möchte oder diese als kritisch reflektierten Teil der Stadtgeschichte beibehält.
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Andere Stimmen machen darauf aufmerksam, dass der Erfurter Stadtrat seit den frühen 1990er-Jahren keine Umbenennungen aus historisch-politischen Gründen mehr vorgenommen hat. Das Nettelbeckufer wäre damit ein Präzedenzfall, der auch die kritische Betrachtung weiterer Straßennamen, etwa der '''[[Thaelmannstrasse|Thälmannstraße]]''' und der '''[[Rosa-Luxemburg-Straße]]''' aus der DDR-Zeit, nach sich ziehen würde. Auch ihnen wird man kaum "Vorbildfunktion" für unsere heutige Gesellschaft zumessen können, wie Decolonize für das Nettelbeckufer moniert. Das wirft letztlich für den hierüber entscheidenden Stadtrat die Frage auf, ob man mehrere Straßennamen ändern möchte oder diese als kritisch reflektierten Teil der Stadtgeschichte beibehält.
  
 
Zugleich sollten die Anlieger einbezogen werden, für die eine Umbenennung mit erheblichem Aufwand verbunden wäre. Im Falle des Nettelbeckufers erbrachte eine Umfrage einhellige Anlehnung bei den Anliegern (Thüringer Allgemeine/Thüringische Landeszeitung vom 27.05.2020).  
 
Zugleich sollten die Anlieger einbezogen werden, für die eine Umbenennung mit erheblichem Aufwand verbunden wäre. Im Falle des Nettelbeckufers erbrachte eine Umfrage einhellige Anlehnung bei den Anliegern (Thüringer Allgemeine/Thüringische Landeszeitung vom 27.05.2020).  

Version vom 2. Juni 2020, 10:37 Uhr

Nettelbeckufer

Ortsteil: Ilversgehofen

Bezeichnung seit: 1905, zwischenzeitlich 1950-1956 Goerdelerufer nach Carl Goerdeler, Leipziger Oberbürgermeister und Angehöriger des Kreises um die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944

vorherige Bezeichnung/en: keine

Bedeutung: benannt nach Joachim Nettelbeck (1738-1824), Seemann und früher Kollonialbefürworter, Symbolfigur der deutschen Nationalbewegung als "Retter von Kolberg" mit Neidhardt von Gneisenau gegen die französische Belagerung 1806/07

Seit 2020 fordert die Bewegung Decolonize Erfurt eine Umbenennung der Straße wegen Nettelbecks Tätigkeit auf niederländischen Sklavenschiffen, seinen Vorschlägen zum preußischen Kolonialerwerb und der Stlisierung zum "Volkshelden", gipfelnd im Dritten Reich. An seine Stelle soll der farbige Erfurter Gert Schramm (1928-2016) treten, der als Kind im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war.

Andere Stimmen machen darauf aufmerksam, dass der Erfurter Stadtrat seit den frühen 1990er-Jahren keine Umbenennungen aus historisch-politischen Gründen mehr vorgenommen hat. Das Nettelbeckufer wäre damit ein Präzedenzfall, der auch die kritische Betrachtung weiterer Straßennamen, etwa der Thälmannstraße und der Rosa-Luxemburg-Straße aus der DDR-Zeit, nach sich ziehen würde. Auch ihnen wird man kaum "Vorbildfunktion" für unsere heutige Gesellschaft zumessen können, wie Decolonize für das Nettelbeckufer moniert. Das wirft letztlich für den hierüber entscheidenden Stadtrat die Frage auf, ob man mehrere Straßennamen ändern möchte oder diese als kritisch reflektierten Teil der Stadtgeschichte beibehält.

Zugleich sollten die Anlieger einbezogen werden, für die eine Umbenennung mit erheblichem Aufwand verbunden wäre. Im Falle des Nettelbeckufers erbrachte eine Umfrage einhellige Anlehnung bei den Anliegern (Thüringer Allgemeine/Thüringische Landeszeitung vom 27.05.2020).


Siehe: Geschichte der Erfurter Straßennamen


Thüringer Allgemeine vom 18.05.2020 (zum Lesen anklicken):

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