Luther Erfurt Museumskonzept

Lutherstadt Erfurt mit globaler Bedeutung!

Neben dem jüdischen Erbe verkörpern auch die authentischen Lutherstätten in Erfurt zusammen mit dem Angebot des Stadtmuseums "Haus zum Stockfisch" Weltgeschichte, was in das neue Museumskonzept einfließen muss.


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Kulturdezernent Dr. Tobias Knoblich gab jüngst im Rahmen des zu erarbeitenden Museumskonzeptes bekannt, das für ihn allein das jüdische Erbe in Erfurt „globale Bedeutung“ habe (TA vom 02.08.2019). Dieses habe sogar die Chance auf den Status als UNESCO-Weltkulturerbe. Mit Blick auf Alte Synagoge und die übrigen Erinnerungsorte mag man dem zustimmen – nicht aber in der von Knoblich betonten Ausschließlichkeit.

Denn es gibt da ja noch die Lutherstadt Erfurt. Die einstige Mittelaltermetropole ist die Stadt des Studenten, Magisters und Mönches. Ohne den jungen Erfurter wäre der gestandene Wittenberger Reformator nicht denkbar. Dies gilt ungeachtet des Umstandes, dass Erfurt anders als Wittenberg und Eisleben in den 1990er-Jahren den Sprung auf die UNESCO-Welterbeliste verpasst hat und eine Bewerbung mit anderen Städten 2017 zurückgezogen wurde.

Dabei hätte allen voran das Augustinerkloster das Potenzial zum Welterbe als „Keimzelle der Reformation“, in dem der junge Luther prägende Jahre verbracht hat. Es bewegt sich mindestens auf Augenhöhe mit den Welterbestätten in Eisleben, in dem Luther gerade einmal sein erstes Lebensjahr verbrachte und eher zufällig auf Reisen verstarb.

Das Stadtmuseum „Haus zum Stockfisch“ bietet flankierend zu den Lutherstätten eine Schau zum mittelalterlichen Handels- und Kulturzentrum, das in Form der weitgehend erhaltenen Altstadt ganz wesentlich die kulturell-touristische Anziehungskraft Erfurts ausmacht. Zu den Spitzenexponaten gehören die Zepter der ältesten Universität im heutigen Deutschland (Foto: Stadtmuseum Erfurt), an der Luther studierte und lehrte, sowie sein Reiseschreibkasten. Mit diesem Potenzial gilt es mehr als bisher zu wuchern. Das geht natürlich nicht ohne Linderung der akuten Personal- und Finanznöte.

Die Luthererinnerung hat übrigens in der Vergangenheit schon ein ganz anderes Niveau erreicht. Der absolute Hohepunkt wurde ausgerechnet in der DDR-Zeit erreicht, als die SED 1983 aus Anlass des 500. Geburtstages den Reformator als ihr Erbe reklamieren wollte. Jenseits dieser Instrumentalisierungsversuche brachte das Jubiläum große kulturelle Leistungen mit sich, woran 2017 das Angermuseum mit einer Sonderausstellung erinnerte.

Nachhaltigster Ertrag war der Ausbau des kriegszerstörten Augustinerklosters zur Tagungs- und Begegnungsstätte der Evangelischen Kirche. Zwei Ausstellungen sorgten für weltweite Aufmerksamkeit: „Erfurt – Luther – Dialoge“ in der Kunsthalle und die zentrale Ausstellung der Evangelischen Kirche „Martin Luther – Leben und Werk“ im Predigerkloster. Der Sechste Internationale Kongress für Lutherforschung war eine von mehreren hochkarätigen Veranstaltungen.

1983 konnte die Lutherstadt Erfurt so ihr Profil auf Augenhöhe mit Wittenberg, Wartburg und Eisleben international schärfen. Die erneute Chance zum 500. Reformationsjubiläum 2017 wurde dagegen mit einem wenig ambitionierten Programm vertan. Dennoch oder gerade deswegen sollte man jetzt das neue Museumskonzept dazu nutzen, eine Facette unserer Stadtgeschichte von globaler Bedeutung stärker zu betonen.

(Dr. Steffen Raßloff in Thüringer Allgemeine/Thüringische Landeszeitung vom 08.08.2019)


Siehe auch: Lutherstadt Erfurt, UNESCO-Welterbe in Erfurt, Stadtmuseum Erfurt