Heinrich Raspe

Heinrich Raspe IV.

Thüringer Landgraf, deutscher König
geboren um 1204
gestorben am 16.02.1247 auf der Wartburg

Der Name Heinrich Raspe taucht im Thüringer Herrscherhaus - den Ludowingern - öfters auf, meist waren es mitregierende jüngere Brüder der Landgrafen, die jedoch keine größere Bedeutung erlangten. Von der Wissenschaft wird dieser Herrscher daher auch als Heinrich Raspe IV. bezeichnet.

Um 1204 wurde Heinrich Raspe als zweiter Sohn des Landgrafen Hermann I. von Thüringen und der Prinzessin Sophie von Bayern aus dem Hause Wittelsbach geboren. Er war der Schwager der Heiligen Elisabeth, die mit seinem Bruder Ludwig IV. verheiratet war. Dieser Bruder und Vorgänger als Landgraf, Ludwig IV., starb 1227 auf einem Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. Da Hermann II., der Sohn Ludwigs und der Heiligen Elisabeth, erst fünf Jahre alt war, übernahm Heinrich Raspe IV. die Regentschaft in Thüringen. Er verdrängte 1228 Elisabeth mit ihrem Sohn Hermann und den Töchtern Sophie und Gertrud vom Thüringischen Fürstenhof. Hermann wurde 1241 vermutlich mit Wissen Heinrich Raspes vergiftet.

Zunächst also führte Heinrich in Thüringen die Regentschaft für seinen unmündigen Neffen Hermann II., den er jedoch ebenso wie dessen Mutter aus der Regierung verdrängte. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Konrad, ist seine politische Bestrebung zunächst die Erhaltung des Territoriums. Um 1231 wurde Heinrich schließlich als Nachfolger seines 1227 umgekommenen Bruders Ludwig IV. mit der Landgrafschaft Thüringen belohnt. Sein jüngerer Bruder Konrad wird Landgraf von Hessen und übte dort auch herrschaftliche Rechte aus.

1232 greift Konrad greift das mainzische Fritzlar an und nimmt die Stadt am 15. September des gleichen Jahres ein. Später erlitten noch Heiligenberg und Landsberg das gleiche Schicksal. Im Gegenzug zerstörten die Erzbischöflichen Truppen aus Mainz Witzenhausen und griffen damit die hessisch-thüringische Verbindungslinie der Ludowinger an. Ziel der kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Erzbischof von Mainz war, die Verbindung von Ober– und Niederhessen, sowie die Verbindung Hessens mit Thüringen. 1233 erfolgt der Friedensschluss mit dem Erzbischof von Mainz, da zwischen beiden Parteien ein militärisches Gleichgewicht herrschte.

1228 heiratete Heinrich Raspe IV. die Tochter des brandenburgischen Markgrafen Albrecht, Elisabeth. Bis 1234 unternahm Heinrich Raspe erfolglose Versuche, die ludowingischen Besitzungen in Hessen, in Auseinandersetzungen mit den Erzbischof von Mainz, auszubauen.

1234 zeigte er, wie man sich der Macht gegen Mitbewerber zu bedienen habe. Das Opfer waren wieder einmal die Grafen von Gleichen, gemeint war jedoch zweifellos auch der Erzbischof von Mainz. Raspe war "der Schlechtigkeiten überdrüssig, die er vom Grafen von Gleichen erlitten hatte"; er lud ihn vor das Landgericht. Wahrscheinlich erschien der Graf nicht. Daraufhin belagerte und eroberte er die Burg Velseck, vermutlich ein landgräfliches Lehen. 23 Gefangene wurden enthauptet. Was mit dem Grafen geschah, ist unbekannt. Mit dieser Gewalttat nicht genug, der Landgraf versuchte sich der Erfurter Vogtei zu bemächtigen, womit er aber auf die Dauer keinen Erfolg hatte.

Heinrich Raspe intensiviert seine politischen Tätigkeiten und kauft 1236 alle freien Güter des Stiftes Quedlingburg inklusive dem Patronat der Kirchen in der Mark Duderstadt.

1238 heiratete er Gertrud, die Schwester Herzog Friedrich II. von Österreich, und 1241 Beatrix von Brabant. Da er fürchtete, kinderlos zu bleiben, entschloss er sich zur Eventualbelehnung seines wettinischen Neffen Heinrich (Sohn des Markgrafen von Meißen) mit der Landgrafschaft Thüringen.

Albert von Behaim versucht 1239 Heinrich Raspe für den Papst zu gewinnen. Als er scheitert, spricht er den Bann über Heinrich aus.

1241 heiratete Heinrich Raspe seine dritte Frau, Beatrix von Brabant und erwarb sich Verdienste bei der Abwehr der Mongolenangriffe auf Deutschland.

1242 wurde Heinrich zusammen mit Wenzel I. von Friedrich II. zum Reichsverwalter für seinen minderjährigen Sohn Konrad IV. bstellt. So sollte ein entstandener Bürgerkrieg beendet und das Land gegen die drohenden Mongolenkriege vorbereitet werden.

1243 trat Heinrich Raspe wieder zurück und ließ sich durch eine Zuwendung von 25.000 Mark Silber für die päpstliche Partei gewinnen.

Nach der Absetzung Friedrichs 1245 durch Papst Innozenz IV. wechselte er die Seiten und wurde mit Unterstützung der Erzbischöfe von Mainz und Köln am 22. Mai 1246 von einer Minderheit der deutschen Fürsten in Veitshöchheim bei Würzburg zum König gewählt. Wegen dieser Wahlhilfe und Zuwendungen Roms erhielt er schon bald den Beinamen "rex clericorum" (Pfaffenkönig). In der Schlacht von Nidda (August 1246) besiegte Heinrich seinen früheren Schützling Konrad, starb aber einige Monate später auf der Wartburg.

Am 5. August 1246 besiegte Heinrich Raspe ein Heer des Stauferkönigs Karl IV. bei Nidda in der Nähe von Frankfurt a.M. mit einer Streitmacht, die durch schwäbische Grafen und Ritter und vor allem durch päpstliche Gelder verstärkt wurde. Obwohl der Ludowinger erste militärische Erfolge gegen die Stauferpartei erzielte, konnte er sich im Reich nicht durchsetzen, da er von den großen weltlichen Fürsten nicht gewählt und in der Folge auch nicht akzeptiert wurde.

Nach vergeblicher Belagerung der Reichsstadt Ulm kehrte Heinrich Raspe im Winter 1246/1247 nach Thüringen zurück.

Mit Heinrich Raspe starb die Familie der Ludowinger in männlicher Linie aus. Im daraufhin ausbrechenden Erbfolgekrieg konnte sich in Hessen Heinrichs Nichte Sophie von Brabant (Tochter Ludwig IV. und Elisabeth) behaupten, während die Landgrafschaft Thüringen an Heinrich Raspes Neffen Heinrich und damit an die Familie der Wettiner ging.