Faust und Erfurt: Unterschied zwischen den Versionen

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Beitrag der Serie '''[[Wandbilder zur Sagenwelt im Rathaus]]''' von '''[[Steffen Raßloff|Dr. Steffen Raßloff]]''' (2007)
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Version vom 5. Dezember 2012, 13:08 Uhr

Faust und Erfurt

Beitrag der TA-Serie Wandbilder zur Sagenwelt im Rathaus von Dr. Steffen Raßloff (2007)


Teuflischer Gelehrter

Die Treppenhausbilder im Rathaus (4): Faust

Johann Faust war schon lange vor Goethes Trägodie einer der bekanntesten Sagenhelden. Einige Episoden aus dem Volksbuch vom wissbegierigen Gelehrten, der sich dem Teufel verschrieben hat, spielen auch in Erfurt.


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Faust, der Gelehrte und Wundertäter, der über seine Grenzen hinaus strebt und sich sogar dem Teufel verschrieben hat, fasziniert die Menschen seit jeher. Vom Volksbuch des 16. Jahrhunderts über Goethes bekannte Tragödie bis heute wurde und wird der Stoff immer wieder aufgegriffen. Auch malerische Darstellungen gibt es viele. Die Wandbilder Prof. Kämpffers im Rathaustreppenhaus von 1896 gehören mit zu den eindrucksvollsten.

Kämpffer bezieht sich bei den drei Bildern im Aufgang zum zweiten Obergeschoss auf die Faustgestalt des 1587 erstmals erschienenen Volksbuches. Ein Georg oder Johann Faust zog als Gaukler und Wundertäter in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts durch die deutschen Lande. Er konnte in jener Zeit des Aufbruchs in die Neuzeit, geprägt von Renaissance, Humanismus und Reformation, viele Menschen ansprechen. Gelehrte und Kirche sahen in ihm freilich meist einen Ketzer und Scharlatan. Der mysteriöse Tot Fausts 1541 im badischen Staufen lieferte den Anstoß für die Sage vom Teufelspakt. Das dritte Bild zeigt die vom Höllenfürsten grausig zugerichtete Leiche auf einem Misthaufen.

Freilich schildert das Volksbuch Faust auch als großen Gelehrten, der an Adelshöfen und Universitäten spektakuläre Auftritte hatte. Auf dem ersten Bild lässt er vor keinem Geringeren als Kaiser Karl V. den Makedonenkönig Alexander den Großen und dessen Gemahlin Roxane erscheinen. Das Kohlebecken, aus dessen Rauch die antiken Gestalten vermeintlich erscheinen, mag zusammen mit der Sensations- und Glaubenswilligkeit jener Zeit andeuten, worauf Fausts “Wunder” beruhten.

Großen Eindruck soll “Doktor Faustus” nicht zuletzt auf den akademischen Nachwuchs ausgeübt haben. An der Universität Erfurt, um 1500 noch immer eine der renommiertesten Hochschulen des Reiches, hielt er laut Volksbuch Vorlesungen über Homer. Natürlich waren die mit der antiken Mythologie vertrauten Studenten begeistert, dass ihnen die Gestalten Homers wortwörtlich vor Augen geführt wurden. Allerdings war doch, wie auf dem zweiten Bild zu sehen, der Schrecken groß, als der einäugige Zyklop Polyphem seine Riesenhand nach den Zuschauenden ausstreckte.

Soweit die Sage. Aber auch der historische Faust hielt sich in Erfurt auf. Der Humanist Mutianus Rufus etwa spricht davon, den “Schwätzer” 1513 in einer Gastwirtschaft gehört zu haben. Hieraus erkennt man die Geringachtung durch einen angesehenen Erfurter Gelehrten. Erst die Dichtung Goethes hat Faust endgültig zum typischen Renaissancemenschen stilisiert, erfüllt von grenzenlosem Wissens- und Tatendrang. So bleibt denn auch Goethes Faust ein solch schreckliches Ende wie das vom “Doktor Faustus” im Rathaus erspart.


Siehe auch: Geschichte der Stadt Erfurt