Brücken

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Brücken der Stadt Erfurt

Erfurt ist auch eine Stadt der Brücken! Diese Behauptung erheischt bei dem flüchtigen Beobachter zunächst einigen Zweifel. Erfurt, das nicht an einem großen und breiten Strom liegt, durch dessen Weichbild sich lediglich die Gera mit ihren Nebenarmen und der Flutgraben schlängelt, eine Stadt der Brücken? Und doch ist es so. Denn immerhin überspannen insgesamt 216 Brücken die Wasserläufe und Straßen der Stadt und ihrer Ortschaften. 142 Brücken befinden sich innerhalb des Weichbildes der Stadt und etwa 100 davon führen allein über die Gera und ihre Verzweigungen.

Und wenn man bedenkt, dass es eine ganze Reihe von Wasserläufen nicht mehr gibt, weil sie zugeschüttet, verrohrt oder verlegt wurden, so kann man erahnen, dass diese Anzahl einst viel größer war und das die Bedeutung dieser Übergänge für das Leben in der Stadt schon immer sehr bedeutsam waren. Die zahlreichen Wasserläufe und Brücken brachten einem Teil der Innenstadt den Namen "Kleinvenedig" ein.

Als einigermaßen gesichert kann man davon ausgehen, dass bereits das mittelalterliche Erfurt mindestens 65 Brücken und Stege besessen hat. Die Vermutung, dass es jedoch mehr als einhundert waren, ist angesichts der lückenhaften geschichtlichen Überlieferung sicher nicht abwegig. Diese Brücken waren, von wenigen Ausnahmen angesehen, aus Holz errichtet. Die meisten dienten zudem ausschließlich dem Übergang von Personen.

Die Brücken, die auch dem für Erfurt so wichtigem Fernhandel dienten und daher in ihrer Dimensionierung auch für den Verkehr mit Fuhrwerken ausgelegt waren, hatten Schlüsselstellungen auch in der Stadtentwicklung inne. Die vier wichtigsten Brücken waren hier die Lehmannsbrücke, die Krämerbrücke, die Schlösserbrücke und die Lange Brücke.

Von diesen alten Brücken ist auf uns nur noch die Krämerbrücke in ihrem originalen Zustand überkommen und auch deshalb eines der Wahrzeichen und touristischer Anziehungspunkt unserer Stadt.

Viele historische Brückenbauwerke sind der Stadt bei der rigorosen und eigentlich so nicht notwendigen Entfestigung ab 1874 verloren gegangen. Aber Politiker, von wenigen Ausnahmen abgesehen, haben eben auch schon früher eher kurz- als langfristig, eher engstirnig als weitsichtig gehandelt. Beim Abbruch der Stadtmauern, der Toranlagen und der damit verbundenen Brückenbauwerke gab es jedenfalls kein Pardon und keinen Denkmalschutz.

Ein ähnliches Herangehen konnte man auch in späteren Jahren, wenn auch nicht in vergleichbaren Dimensionen, beobachten. So sei hier daran erinnert, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts ernsthafte Überlegungen gab, die Krämerbrücke abzureißen, um Platz für eine damals unbedingt für notwendig erachtete Straße vom Fischmarkt über die Gotthardtstraße zur Johannesstraße zu machen.

Mit den innerstädtischen Veränderungen, die ab 1968 einsetzten, wurde unter dem Druck der wachsenden Motorisierung und einem gewissen Fortschrittswahn wiederum mit der historisch gewachsenen Substanz wenig verantwortungsbewusst umgegangen. Wiederum waren es auch Brückenbauwerke, die für immer verloren gingen.

So verwundert es nicht, dass es heute eigentlich nur noch 24 Brücken gibt, welche man mit einigem Recht noch als historisch bezeichnen kann. 16 Brücken davon davon sind Bogen- und Gewölbebrücken.