Bonifatius

Bonifatius

Missionar (672/75-754), "Aposter der Deutschen"

Sorgte mit der Gründung des Bistums Erfurt 742 für die Ersterwähnugn der Stadt


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Der bekannte Missionar Bonifatius war um 672 als Sohn wohlhabender Großbauern im Königreich Wessex in Südengland geboren und auf den Namen Winfried getauft worden. Schon als Siebenjähriger trat er ins Kloster ein. Ab 718 widmete sich der angesehene Mönch und Abt auf dem europäischen Festland der Missionierung. Als "Apostel der Deutschen" hat er im 8. Jahrhundert auch wesentlich an der Christianisierung Thüringens mitgewirkt.

725 begann er damit, die 200 Jahre zurückreichenden Ansätze des Christentums zu stärken und den heidnischen Glauben zurück zu drängen. 742 gründetete Bonifatius das Bistum Erfurt, das jedoch bald darauf an Mainz angegliedert wurde. Dennoch beginnt hiermit die Stellung Erfurts als kirchliches Zentrum in Thüringen, das heute Sitz eines katholischen Bistums und bald auch der evangelischen Kirchenverwaltung in Mitteldeutschland ist. Sinnfällig kommt dies im imposanten Dom zu Ausdruck, an dessen Stelle man die erste Kirche des Bonifatius vermutet, auch wenn sich dies archäologisch nicht nachweisen lässt. Der sogenannte Bonifatiusturm an der Severikirche freilich stammt trotz seines Namens als Teil einer Befestigung des Domberges erst aus dem 12. Jahrhundert.

Die Bistumsgründung 742, genauer gesagt ein entsprechender Brief an Papst Zacharias II. mit der Bitte um Bestätigung, stellt zugleich die urkundliche Ersterwähnung von "Erphesfurt" dar. Damit rückte Bonifatius Erfurt ins Licht der schriftlich überlieferten Geschichte. Die Erfurter dankten ihm dies u.a. mit der Verewigung im 1882 vollendeten Wandbildzyklus im Rathausfestsaal, der historische Schlüsselszenen der Stadtgeschichte aufgreift (siehe Abb.).

Dargestellt wird symbolisch die Verdrängung des heidnischen Glaubens durch den christlichen Missionar. Die legendäre Fällung einer Eiche im Steiger, die dem germanischen Gott Donar geweiht war, wird von der Geschichtsschreibung freilich eher im hessischen Geismar angesiedelt, wie es schon in der zeitgenössischen Biographie Willibalds von Mainz zu lesen steht. Spärliche Quellenlage und Reiz der weit verbreiteten Sage mögen es aber verzeihlich machen, wenn die Erfurter dieses Ereignis für sich in Anspruch nehmen. Im Vordergrund gelingt es Bonifatius, Bewohner der "Stadt heidnischer Bauern", wie es im Papstbrief von 742 heißt, angesichts der ausbleibenden Strafe durch den Donnergott vom Wort Gottes zu überzeugen. Im Hintergrund wenden sich erzürnte Anhänger des alten Glaubens ab, was für den keineswegs reibungslosen Prozess der Christianisierung steht. Bonifatius selbst wurde 754 von heidnischen Friesen erschlagen. Das Erfurter Stadtmuseum nahm dies genau 1250 Jahre später zum Anlass, den Missionar mit der viel beachteten Sonderausstellung "Bonifatius - zwischen Heidenopfern und Christuskreuz" 2004 zu würdigen.


(Text: Dr. Steffen Raßloff)