Offener Brief Zukunft egapark

Verein für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt

Offener Brief über das Entwicklungskonzept zum egapark

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An die Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzenden der SWE GmbH und der ega GmbH,

Peter Zaiß, Manfred Ruge, Andreas Bausewein und Klaus-Michael Wiegand


Erfurt, den 06.12.2010


Sehr geehrter Herr ...,


wir möchten Sie auf die große Tragweite der Entscheidung über das im Auftrag der Stadtwerke Erfurt GmbH erstellte Entwicklungskonzept egapark Erfurt hinweisen. Der 1961 als Internationale Gartenbauausstellung iga gegründete egapark wurde 1992 unter Denkmalschutz gestellt und ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Darüber hinaus stellt er zusammen mit dem Deutschen Gartenbaumuseum das Aushängeschild der Blumenstadt Erfurt dar.

Nach Meinung von Fachleuten wird das Entwicklungskonzept der Bedeutung der ega nicht gerecht und führt zu übertriebenen, teilweise auch falschen Aussagen. Besonders auffällig ist die Polarisierung auf die angeblich völlig unvereinbaren Alternativen eines „mutigen“ Erlebnisgartens für junge Leute und eines „konservativen“ Gartendenkmals für ältere.

Das überaus positiv herausgestellte „Szenario 1“ (Erlebnisgarten) enthält massive Einschnitte in die denkmalgeschützte Substanz bis hin zum Verkauf von ganzen Parkteilen, was nach Einschätzung der zuständigen Denkmalexperten rechtlich überhaupt nicht realisierbar ist. Hinzu kommt die Ausblendung des Gartendenkmalcharakters im Marketing. Sollte es umgesetzt werden, verliert Erfurt ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung, verliert das Image Blumenstadt sein zentrales Alleinstellungsmerkmal, verliert die Landeshauptstadt das zugkräftigste Tourismusziel Thüringens vor der Wartburg.

„Szenario 2“ (Gartendenkmal) wird als weitgehende Rückgestaltung des egaparks im Sinne der ursprünglichen iga 61 beschrieben. Das ist ebenfalls nicht sinnvoll bzw. denkmalkonform. Vielmehr müsste eine solche Konzeptvariante das deutschlandweit einmalige Profil des 1960er-Jahre-Parks mit dem Charakter einer lebendigen Freizeiteinrichtung für die ganze Familie verbinden, als die die iga bzw. der egapark seit fünf Jahrzehnten beliebt ist.

Denkmalpflege, Traditionsbewusstsein, Tourismus und Freizeitspaß für die Erfurter schließen sich keineswegs aus, wie es das Entwicklungskonzept glauben machen will. Wir plädieren daher nachdrücklich für ein denkmalkonformes Zukunftskonzept, in das sich innovative Elemente eines Erlebnisgartens mit breiter Zielgruppenorientierung integrieren lassen.


Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Steffen Raßloff (Stellv. Vorsitzender und Redakteur)


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