Kolonialismus in Erfurt: Unterschied zwischen den Versionen

 
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'''Eine Plakat-Ausstellung von Studenten der Universität Erfurt, unterstützt von der den Grünen nahestehenden Heinrich-Böll-Stiftung, begibt sich gerade im „KulturHaus Dacheröden“ auf Spurensuche zum [https://aktuell.uni-erfurt.de/2019/02/28/auf-den-spuren-des-kolonialismus-in-erfurt/ Kolonialismus in Erfurt]. Sie hat dabei mit ihren pauschalen und überzogenen Vorwürfen eine öffentliche Kontroverse hervorgerufen.'''  
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'''Eine Plakat-Ausstellung von Studenten der Universität Erfurt hat sich im Frühjahr 2019 im „KulturHaus Dacheröden“ auf Spurensuche zum [https://aktuell.uni-erfurt.de/2019/02/28/auf-den-spuren-des-kolonialismus-in-erfurt/ Kolonialismus in Erfurt] begeben. Die dort erhobenen Vorwürfe haben eine öffentliche Kontroverse hervorgerufen und sind von der Stadtverwaltung zurückgewiesen worden.'''  
  
  
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''PS: Die Erfurter Kulturverwaltung hat in der Antwort auf eine Anfrage der CDU-Stadtratsfraktion in der Sitzung des Kulturausschusses vom 16.05.2019 durch die amtierende Kulturdirektorin Sarah Laubenstein klargestellt: Die Ausstellung "ist offenbar bewusst plakativ und basiert auf keiner vertieften Befassung mit der Erfurter Sammlung und Stadtgeschichte". Deshalb sei, ander s als ursprünglich in der Presse berichtet, nunmehr "keine Präsentation in städtischen Räumlichkeiten“ mehr plant.''  
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'''''Kulturverwaltung lehnt Präsentation in städtischen Räumlichkeiten ab'''''
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''Die Erfurter Kulturverwaltung hat in der Antwort auf eine Anfrage der CDU-Stadtratsfraktion in der Sitzung des Kulturausschusses vom 16.05.2019 durch die amtierende Kulturdirektorin Sarah Laubenstein klargestellt: Die Ausstellung "ist offenbar bewusst plakativ und basiert auf keiner vertieften Befassung mit der Erfurter Sammlung und Stadtgeschichte". Deshalb sei, anders als ursprünglich angedacht, "keine Präsentation in städtischen Räumlichkeiten" mehr geplant.''  
  
  

Aktuelle Version vom 1. August 2019, 07:44 Uhr

Verklärter Kolonialismus? Ein Kommentar

Eine Plakat-Ausstellung von Studenten der Universität Erfurt hat sich im Frühjahr 2019 im „KulturHaus Dacheröden“ auf Spurensuche zum Kolonialismus in Erfurt begeben. Die dort erhobenen Vorwürfe haben eine öffentliche Kontroverse hervorgerufen und sind von der Stadtverwaltung zurückgewiesen worden.


ParadiesKatalog.05.jpg

Die im wahrsten Wortsinne plakative Schau unterstellt der Stadt Erfurt wie der gesamten deutschen Gesellschaft pauschal „eine fehlende, unvollständige oder beschönigende Erinnerung an den Kolonialismus“. „Schweigen, Bagatellisieren und mitunter sogar die Umwendung ins Positive“ seien „gängige Umgangsweisen“. Forschungen und Ausstellungen, die sich dem Thema differenziert gewidmet haben, werden ignoriert oder als verklärend bzw. verharmlosend dargestellt. Besonders deutlich wird dies bei der Erfurter Südseesammlung. 1889 verkaufte der Erfurter Konsul Wilhelm Knappe seine als Kolonialbeamter erworbene ethnografische Sammlung an das Städtische Museum.

2005 führten das Volkskundemuseum und die Kunsthalle jene in Vergessenheit geratene Sammlung mit der Ausstellung „Reisen ins Paradies – Die Erfurter Südsee-Sammlung im Spiegel der Kunst“ wieder in die Öffentlichkeit. Hierfür waren die Sammlung von Experten des Grassi-Museums für Völkerkunde Leipzig wissenschaftlich aufgearbeitet und die Biographie Knappes im Kontext der Kolonialgeschichte rekonstruiert worden. In der Kolonialismus-Ausstellung wird der Schau dennoch vorgeworfen, der „koloniale Unrechtskontext, unter dem die Sammlung entstanden ist, erfahre keine oder nur eine verklärende Thematisierung“. Ihr Titel reproduziere „das problematische Konstrukt der Südsee als ‚Paradies‘“ – obwohl Ausstellung und Katalog (siehe Abb.) die Paradies-Metapher aus historischer und kunstgeschichtlicher Sicht intensiv reflektierten.

Volkskundemuseum und Kunsthalle sind aber keineswegs die einzigen Adressaten solcher unsinnigen Vorwürfe. Weit hergeholt scheint auch das Argument, die „Tropennächte“ des Erfurter Zooparks stünden wegen ihrer exotischen kulturellen Umrahmung als „entwürdigende Inszenierungen“ in der Tradition rassistischer „Völkerschauen“ des 19. Jahrhunderts. Für die Mohren-Apotheke in der Schlösserstraße, in der Ausstellung nur „M*-Apotheke“ bezeichnet, wird trotz ihres weit vor das koloniale Zeitalter zurückreichenden Namens eine Umbenennung gefordert. Das Burenhaus in der Bahnhofstraße von 1902 wird als unreflektierte Huldigung der südafrikanischen Apartheidpolitik gegeißelt, obwohl schon mehrfach in Publikationen und in der Presse dessen historischer Hintergrund aufgearbeitet wurde.

Dem ohne Zweifel wichtigen Grundanliegen der Ausstellung, die eine Reihe von erinnerungskulturellen Defiziten und rassistischen Denkmustern aufzeigt, dürfte mit dieser Pauschalisierung, überzogenen Kritik und Denkmalstürmerei kaum gedient sein.

(Dr. Steffen Raßloff, 19.03.2019)


Kulturverwaltung lehnt Präsentation in städtischen Räumlichkeiten ab

Die Erfurter Kulturverwaltung hat in der Antwort auf eine Anfrage der CDU-Stadtratsfraktion in der Sitzung des Kulturausschusses vom 16.05.2019 durch die amtierende Kulturdirektorin Sarah Laubenstein klargestellt: Die Ausstellung "ist offenbar bewusst plakativ und basiert auf keiner vertieften Befassung mit der Erfurter Sammlung und Stadtgeschichte". Deshalb sei, anders als ursprünglich angedacht, "keine Präsentation in städtischen Räumlichkeiten" mehr geplant.


Thüringer Allgemeine vom 30.03.2019 (zum Lesen anklicken)

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